Bico weiß, wovon Menschen träumen


Bico of Switzerland
Die aufgeschnittene Matratze – fast schon ein Markenzeichen von Bico.

Der Schweizer Matratzenspezialist Bico, normalerweise eher für unspektakuläre Bilder bekannt (s. o.), hat sich für eine neue Werbekampagne entschieden, wie die Online-Ausgabe der Schweizer Marketing-Zeitschrift Persönlich am 05.03.07 berichtete. Inzwischen wurden bereits zwei Spots der langfristig geplanten Kampagne umgesetzt, wobei Persönlich bedauerlicherweise nur einen zeigt.

Der Hintergrund des Spots laut Persönlich: “Im ersten Spot träumt sich eine rundum sympathische Schweizer Hausfrau an einen fernen Traumstrand (…).”

Schauen Sie selbst! Was denken Sie?

————————————————————————————————————

Ich finde den Spot entzückend, doch ohne die vorhergehende Info könnte man ihn auch durchaus missverstehen. Und dann wäre das Ganze womöglich eher kontraproduktiv.

Mein Dank für den Hinweis auf diese Kampagne sowie für die anschließende Diskussion geht an Mirjam und Pauline. Mein Fazit daraus: Es gibt wahrscheinlich eine Menge Frauen, die sich über Spots wie diese zu Recht aufregen. Das Problem sind allerdings nicht immer die Spots selbst, sondern die Tatsache, dass sie nicht in eine Fülle von unterschiedlichen Frauen-Werbebildern eingebettet sind. Vielmehr gibt es fast nur solche Bilder, die von vielen Frauen als Herabwürdigung im Sinne einer extrem verengten (männlichen) Sicht, also als ein sogar noch verdichtetes Stereotyp empfunden werden.

Hier können Sie den Spot übrigens herunterladen.

Bei 3 kriegen Frauen mehr


Logo DreiSonderaktion beim Österreichischen Mobilfunkprovider 3
3 bietet noch bis Ende März 2007 ein besonderes Angebot für Neukundinnen

Mein heutiger Dank geht an Katrin-Sophie Dworczak. Sie machte mich auf das aktuelle Sonderangebot des Österreichischen Mobilfunkproviders 3 aufmerksam. Bereits vor einem Monat berichtete die Online-Ausgabe des Österreichischen Standard darüber, dass Frauen bei Vertragsabschluss bis Ende März 2007 zwei Jahre lang 25% mehr Gratisleistungen bei Tarifpaketen in Anspruch nehmen können. Und noch besser ist, dass derstandard.at uns auch die Werbespots dazu bietet:
Spot 1
Spot 2
Spot 3

Was denken Sie darüber? Machen Sie sich doch selbst ein Bild, bevor Sie weiterlesen!

————————————————————————————————————

Kleine Analyse:

Die Kampagne benutzt die klassische Technik der kognitiven Dissonanz. Sie greift vermeintlich typische Frauenthemen auf und macht sie auffällig, indem die Gesprächsthemen in einen anderen Kontext (Männergespräche) gesetzt werden. Durch die Erzeugung einer gewissen Irritation durch den Widerspruch soll die Aufmerksamkeit der Zuschauerin bzw. des Zuschauers erhöht werden. Das ist ein netter Ansatz, aber meines Erachtens nur eingeschränkt originell. Interessant finde ich, dass sich einmal mehr zeigt, was die Werber für typische Frauengespräche halten. Einmal mehr werden Frauen auf tränenreiche Vorabendserien, Schuhkauf und Liebesdinge reduziert. Klar gehören diese Themen mehr oder weniger auch zu unserem Leben. Aber eben nicht nur. Und sie sind auch ganz sicher nicht aussagekräftig im Hinblick auf unsere Themenbreite.

Spannend finde ich übrigens auch immer, was nicht gesagt oder gezeigt wird. Bei dieser Aktion ist es das – sonst zweifellos häufig überstrapazierte – Wort „Kommunikation“. Hier heißt es schlicht: „Weil Frauen mehr zu sagen haben.“ Hmmm… die haben sich eine Menge Mühe gegeben, es möglichst wertfrei klingen zu lassen.

Ist Ihnen aufgefallen, welches Handy 3 dazu anbietet? Es ist das Nokia 3790 (WOW: 3 Megapixel-Kamera!) in… – tätä! – „powder pink“. Das Gerät gibt es auch in “bronze black", nicht jedoch zum beworbenen Sonderangebot. Das spannendste ist jedoch, dass dieses Gerät eine maximale Sprechzeit von nur 3 Stunden hat. Dann ist der Akku leer. Wozu nützt bei einem solchen Tarif, dass dieses Handy 220 Stunden Standby schafft? Wenn ich einen Telefontarif habe, bei dem ich viel und lange kostenlos telefonieren könnte, ihn aber wegen der begrenzten Akkuleistung nicht so ausgiebig nutzen kann, wie er mir angepriesen wird – ist das schön?

Üüübrigens: In Deutschland gibt es ja neuerdings das Gleichstellungsgesetz. Und auch Österreich war verpflichtet, die 2004 verabschiedete EU-Richtlinie zur Gleichbehandlung von Frauen und Männern in Landesrecht umzusetzen. Daraus ergibt sich für mich die Frage (ohne jemanden auf dumme Gedanken bringen zu wollen): Darf 3 das überhaupt?