L’Oreal: Ohne die Damen pflegen sich die Herren nicht?


Kopfzeile auf der Website von L'Oreal men expert
Die Kopfzeile auf der Website von L’Oreal men expert beweist auf eindrucksvolle Weise die Fach- und Kund/inn/enkenntnis der L’Oreal-Marketer

Ich freue mich wahrlich sehr über das ausgezeichnete Konzept der Website für L’Oreal men expert. Hier ist alles zu finden, was für die erfolgreiche Kommunikation an Frauen und Männer auf dem - noch - komplizierten Sektor der Pflege für Herren nötig ist. Alles zu analysieren wäre sehr umfangreich und vielleicht auch nicht ganz fair im Sinne der Erfinder. Daher möchte ich nur einige kurze Worte zur oben gezeigten Kopfzeile der Website verlautbaren:

  1. Der Markenname “men expert” ist großartig, denn er greift Expertentum im Sinne der Spezialisierung auf, was eine wichtige Komponente im männlichen Denken darstellt.
  2. Der Claim Beste Technologien für die Haut jedes Mannes ist gleich zweifach gut:
    Erstens greift er die männliche Technikliebe auf und transferiert sie auf dieses zwar artfremde Gebiet, was jedoch keineswegs hinderlich wirkt. Eher wird eine präzise Positionierung inklusive aller nötigen Abgrenzung gegen Wettbewerber bewirkt.
    Zweitens wird jeder Mann eingeschlossen. Das ist nicht nur gut im Sinne der Zielgruppenmaximierung, sondern greift auch ein tiefes Bedürfnis von Männern auf: die Zugehörigkeit zu einer großen Gemeinschaft (die Fachliteratur spricht an dieser Stelle zuweilen auch von der Horde).
  3. Und zu alledem wird die Komponente Frau (ebenfalls) auf dreifache Weise eingebracht:
    Erstens muss der Pflegeaufwand sinnvoll motiviert werden. Es ist nachgewiesen, dass gutes Aussehen - bei Männern genauso wie bei Frauen - den beruflichen und gesellschaftlichen Erfolg begünstigt. Darüber hinaus spielt die Erhöhung der eigenen Chancen auf dem Partnermarkt natürlich eine unbestritten große Rolle.
    Zweitens spricht der “Stempel” Geprüft von uns Frauen ganz deutlich die Partnerinnen als langjährige Kundinnen und Kaufentscheiderinnen in den Haushalten an.
    Drittens wird auch hier mit von uns eine Gemeinschaft hergestellt, die allerdings gekonnt jeglichen Hinweises auf die Gruppengröße entbehrt.
    Und beinahe hätte ich noch vergessen, auf die weibliche Silhouette in diesem “Stempel” hinzuweisen, deren Körperhaltung ein gesundes “Standing” auf vielen verschiedenen Ebenen vermittelt…

Meisterlich. Einfach hervorragend!

Nachtrag zu PSP: SONY vertut sich mächtig


Plakatwerbung für die neue weiße Playstation Portable (PSP) von Sony
Plakatwerbung für die neue weiße Playstation Portable (PSP) von Sony

Einen wirklich großen Diversity-Fauxpas hat sich Sony in den Niederlanden mit einem Motiv aus seiner Plakatkampagne für die weiße PSP geleistet (ich berichtete zuvor darüber).

Nach einem Bericht von Spiegel Online hat Sony nicht nur Schwierigkeiten gehabt zu verstehen, dass sich jemand an der Dominanz von einer weißhäutigen Person über eine dunkelhäutige ernsthaft stören kann. Viel schlimmer ist noch, dass Sony die sich betroffen Fühlenden wochenlang davon überzeugen wollte, wie das Plakat richtig zu verstehen sei.

Welch ein Beispiel für mangelndes Verständnis und schieres Desinteresse an Konsumenten! Dabei war Sony doch schon so fortschrittlich…

Gut gemeint oder gut gemacht? Kalender soll Frauen in die IT-Branche ziehen


Ein Motiv aus dem Kalender IT-Goddess
Ein Motiv aus dem Kalender namens IT-Goddess

Eine schöne Idee war der Anfang: Eine weibliche Führungskraft aus einem australischen IT-Unternehmen wollte mehr Frauen auf die spannenden und lukrativen Jobs in der IT-Branche aufmerksam machen. Ihr Name: Sonja Bernhardt. Sonja Bernhardt wollte dem Klischee entgegentreten, Frauen in IT-Berufen seien ausnahmslos unattraktive Wesen. Das Schicksal nahm seinen Lauf, die Idee für einen Kalender mit toll aussehenden IT-Fachfrauen in berühmten Filmposen wurde umgesetzt. Das Ergebnis kann sich wirklich sehen lassen, wie die Vorschau auf der Kalender-Website eindeutig beweist.

Aber ist das wirklich ein Image-Problem der Frauen? Ist es nicht vielmehr so, dass die Klischee-Vorstellung von männlichen Geeks und Nerds jegliche Begeisterungsversuche tötet? Sind es nicht Bilder aus der längst vergangenen New Economy von schlampigen jungen Männern mit autistischen Persönlichkeitszügen in 20-Stunden-Bildschirm-Jobs, umringt von leeren Pizza-Kartons, die für Frauen wenig erstrebenswert sind? Würde es unter solchen Umständen nicht sinnvoller sein, einen Kalender mit attraktiven IT-Männern zu veröffentlichen? (Und nebenbei bemerkt: Der Arbeitsplatz gilt heute als wichtigster Heiratsmarkt.)

Und noch eine Stichelei: Warum brauchen Fraue besondere Berufe (s. o.), Anweisungen aus Büchern oder Damenrasierer, um Göttinnen zu werden? Ist das erstrebenswert oder heutzutage sogar notwendig?

Und ganz ohne Stichlei: Es gefällt mir natürlich sehr, dass der gesamte Kalender-Erlös Organisationen zugute kommen wird, die den Einstieg von Frauen in IT-Berufe fördern.

Ankündigung zur Damenwahl


Jutta Kleinschmidt, fotografiert von Sharon Adler für das Buch Damenwahl
Jutta Kleinschmidt mit vielen kleinen Touaregs in “Damenwahl", selbstverständlich fotografiert von Sharon Adler

12. Juli 2006, 18:00 Uhr
Merken Sie sich diesen Termin!
Kommen Sie genau dann ins Dussmann Kulturkaufhaus in der Berliner Friedrichstraße!

Ich freue mich schon sehr auf die Vorstellung von Sharon Adlers Buch Damenwahl! Für dieses Buch hat die Fotografin und Herausgeberin des Online-Magazins AVIVA-Berlin zahlreiche Frauen mit unterschiedlichem Grad an Prominenz, aber auf jeden Fall mit deren Lieblingsautos auf Zelluloid gebannt. Herausgekommen sind tolle Fotos und wirklich spannende Statements.

Zusammen mit Sharon Adler werden auch Heidi Hetzer und die Journalistin Georgia Tornow die Bühne zieren. Und ich darf diese gesprächige Runde moderieren. *freu*

PS:
Eine kleine Ausstellung über das “geliebte Blech” findet derzeit auch in Berlin statt.
Mehr Infos dazu hier.