31.7.2005 Diana Jaffé

Spenden-Marketing - was so auffällt


Spiegel Online wirft heute einen kritischen Blick auf Unternehmen, die mit anscheinend oder scheinbar guten Taten werben. Beim Lesen fielen mir so einige Dinge auf:

1. Die meisten Spendenprojekte zielen auf Frauen ab
Nun, sich um das Gemeinwohl zu kümmern, ist ohnehin ein eher weibliches Thema. Und die Produkte, die sich mit Spenden aufwerten wollen, entstammen der Food-Branche, also insgesamt den Alltagsgütern, die zu über 90 Prozent von Frauen gekauft / entschieden werden.

2. Die Themen sind 20 Jahre alt
Abgesehen von solchen Ausrutschern wie Krombachers Bier für den Erhalt des Regenwalds werden jedoch nicht nur die im Artikel genannten Spendenmotive aufgegriffen (angenehme Visualisierbarkeit). Vielmehr handelt es sich dabei auch um Projekte, die im Wesentlichen in den 80-er Jahren im Gewissen der Deutschen platziert wurden: Afrika, Kinder, Wasser (Mad Max lässt grüßen!) und Umwelt (gegen Atomkraft und sauren Regen lässt sich schlecht spenden, aber den Regenwald gibt es ja immernoch - Dank Krombacher).

3. Die Ziele der Spendenprojekte befinden sich fast ausnahmslos im Ausland
Ist das eigentlich nur mir aufgefallen? Wer in den USA auf sich hält und positiv (bei Frauen) auffallen will, unterstützt die eine oder andere Brustkrebsliga. Bei so vielen Unternehmen, die sich hier engagieren, drängen sich geradezu die Fragen auf, wie viele nationale Vereinigungen und Forschungsgruppen gegen Brustkrebs es in den USA überhaupt gibt, wieso überhaupt noch Amerikanerinnen an Brustkrebs erkranken können, angesichts einer so hohen Spendenbereitschaft (Brustkrebs bei Männern ist schließlich weltweit noch kein Thema), und weshalb sich niemand für Gebärmutterhalskrebs interessiert. Ach ja: Und wieso Prostata- oder andere überwiegend Männer betreffende Krebserkrankungen kein Werbethema sind.
In Deutschland eignet sich Krebs also (noch) nicht als Abverkaufsbeschleuniger. Überhaupt gibt es im Inland fast nichts zu tun, wie es scheint. Oder weswegen sonst dürfen sich deutsche Verbraucher nur für das Ausland interessieren?

Und noch einmal kurz zum Spiegel-Artikel: Ja, in der Tat muss einigen Unternehmen wenig seriöses Verhalten vorgehalten werden. Allein die Tatsache, einen Teil der Umsätze zu spenden, gehört meines Erachtens nicht zur Kritikwürdigkeit. Ganz im Gegenteil: Besser, gute Projekte kriegen Spenden und Aufmerksamkeit (und vielleicht die eine oder andere Spende extra), als dass gar nichts passiert. Wo ich mich der Autorin ganz sicher anschließe, ist beim peinlichen Beispiel von LTU und WWF.

Ja, es mag vereinzelt oder auch häufiger dazu kommen, dass Unternehmen ihr offiziell gutes Gewissen zu einem Schnäppchenpreis ergattern. Generell habe ich persönlich nichts dagegen einzuwenden, dass Unternehmen auch darüber Geld verdienen. Ich kann der in Deutschland grassierenden, zu oft von Neid und Unverständnis getriebenen Kritik an rentablen Unternehmen nichts abgewinnen. Schließlich brauchen wir doch eine florierende Wirtschaft und stabile Arbeitsplätze. Was wir ganz sicher nicht brauchen, sind noch mehr kontraproduktive 1-Euro-Jobs.

Neue US-Studie zu Frauen und ihrem Umgang mit Digitalen Videorecordern


Überraschung!
Aus der US-Studie mit 1.000 Befragten, die gleichermaßen aus Frauen und Männern bestanden, geht hervor, dass bei den verheirateten Paaren die Kaufentscheidung für den Digitalen Videorecorder (DVR) zu 48 Prozent von den Frauen getroffen wurde. Insgesamt 55 Prozent der Ehefrauen können laut eigener Aussage auch viel besser mit dem Gerät umgehen als ihre Männer. Drei Viertel aller befragten Frauen verliebten sich sofort in ihren DVR, weil er so viel einfacher zu bedienen sei als ein Videokassettenrecorder (VCR).

Die DVR werden von 99 Prozent der Frauen auch dazu benutzt, Werbung zu überspringen, wobei jedoch 76 Prozent aussagen, den Vorlauf gezielt zu unterbrechen, um für sie relevante Spots anzusehen.

Laut dieser Studie würden auch 98 Prozent der befragten Frauen den DVR ihren Freunden empfehlen.

Der ursprüngliche Bericht befindet sich hier.

Online-Casinos: Sind die meisten Spieler doch Spielerinnen?


Es verblüfft doch jedes Mal aufs Neue: Wann immer geschlechtsspezifische Daten zu Computer-Spielen auftauchen, reiben sich die meisten Menschen die Augen. Es ist nach wie vor schwer zu glauben, dass Frauen mindestens ebenso gerne zocken wie Männer.

Wir wissen aus zahlreichen früheren Studien zu Computer-Spielen bereits, dass spielende Frauen im durchschnitt älter sind als spielende Männer und andere Spiele bevorzugen. Sie waren es auch, die über sechzig Prozent der Käufer/innen stellten und damit den ersten Sims den großen Erfolg bescherten.

Nun aber zeigt sich wohl auch, dass 53 Prozent aller (US-amerikanischen?) Online-Casino-Spieler weiblich sind. Im Artikel aus der Pittsburgh Post-Gazette heißt es, Frauen und Männer würden aus ganz unterschiedlichen Motiven spielen. Ich übersetze die betreffende Passage frei:
“Action-Spieler” sind überwiegend Männer, die nach einem Hochgefühl suchen, indem sie Poker / Blackjack spielen oder auf Sportwetten setzen. Frauen andererseits scheinen eher “Flucht-Spieler” zu sein, die von Glücksspielen wie “Einarmigen Banditen", Video-Poker, Lotterien oder Bingo angezogen werden; sie benutzen das Spielen häufig als Flucht vor Depressionen, physischem oder emotionalem Schmerz.

Wenn Frauen sich im Internet doch an so genannte “games of skill", also Spiele wagen, die von mehr als nur Glück abhängen (z. B. Online-Poker), dann nutzen sie hier klare Vorteile: Die Online-Versionen der Spiele entbehren eines hohen Maßes an Macho-Elementen, verfügen über einen geringeren Wettbewerbscharakter und weiterer Einflüsse, die Frauen “im richtigen Leben” missfallen, weil sie tatsächlich “Männersache” sind. Auch sei es leichter, den Computer als Ersatz für das eigene Pokerface zu nutzen.

Übrigens entwickelt sich der Markt der Online-Casinos exponentiell: Seit der Eröffnung der ersten virtuellen Spielhalle im Jahr 1995 haben wir es jetzt mit einem geschätzten weltweiten Jahresumsatz von 6 Mrd. US$ zu tun, die von nicht einmal 2.000 Websites erwirtschaftet werden.

Alternative Konzepte bei US-Discountern


Die New York Times berichtet über Costco Wholesale und den Gründer und Geschäftsführer des Discounters, Jim Sinegal. Der nämlich verfolgt ganz traditionelle Werte bei der Führung seines Unternehmens. Aussagen wie beispielsweise denen eines Analysten von der Deutschen Bank, er stelle den Stakeholder über den Shareholder Value, er sei also zu seinen Angestellten netter als zu seinen Anlegern, misst er nur eine sehr untergeordnete Bedeutung bei. Dabei bleibt er dennoch unter den Verkaufspreisen seiner Wettbewerber.

Wie schafft Sinegal das? Worin liegt sein Geheimnis?

Die Preisgestaltung folgt ehernen Regeln: Die Margen bei Markenprodukten liegen bei 14 Prozent, bei den Handelsmarken bei 15 Prozent (in den USA schlagen die Supermärkte 25 Prozent, die Kaufhäuser sogar bis zu mehr als 50 Prozent auf). Gespart wird jedoch nicht bei den Mitarbeitern, denn sie verdienen deutlich über dem Branchendurchschnitt und genießen die beste Krankenversicherung, bei gleichzeitig dem geringsten Selbstbeteiligungssatz. Sinegals Jahreseinkommen beläuft sich auf lediglich 350.000 US$, und seine Jahresboni bleiben ebenfalls übersichtlich, ganz im Gegensatz zu vielen seiner Kollegen. Dennoch hat Costco in den vergangenen zwölf Monaten rund 10 Prozent an der Börse zugelegt - ganz im Gegensatz zum Mutterhaus des Erzrivalen Sam’s Club, Wal-Mart, das im gleichen Zeitraum 5 Prozent verlor. Ach ja, und die Diebstähle von Mitarbeitern sind auf einem Tiefstand, die Personalfluktuation ist gering, Gewerkschaften werden zugelassen.

Doch so ein Erfolg kommt natürlich nicht von Ungefähr. Sinegal überprüft seit der Firmengründung im Jahr 1983 ständig das Geschäftskonzept. Das hat zu der gegenwärtigen Form geführt, in der Costco nicht ein beliebiges Geschäft darstellt, sondern einen Club. Mitglieder in Form von Privathaushalten zahlen eine Jahresgebühr in Höhe von 45 US$, Kleinunternehmen 100 US$. Dafür genießen sie nur eine kleine Auswahl, denn während Wal-Mart und andere Mitbewerber häufig mehr als 100.000 verschiedene Artikel führen, sind es bei Costco eben nur 4.000. Dafür sind es die qualitativ besten. Mehr noch: Aufgrund der hohen Abverkaufsmengen kann Costco die günstigsten Einkaufspreise verhandeln. Die Lieferanten erfahren den stärksten Druck von allen Beteiligten. Bekommt Costco zufällig raus, dass einer von ihnen einem Wettbewerber einen besseren Preis macht, trennt sich Costco kurzerhand von ihm. Ein Lieblingsspiel des Gründers nennt sich “Treasure Hunt” - Schatzsuche. Zwischen Bergen von Toilettenpapier platziert er schon mal gerne besondere Schätze wie Plasmabildschirme oder wertvollen Schmuck - alle für einen besonders guten Preis natürlich. Weil die Kundschaft ohnehin aufgrund all der positiven Eigenschaften, einschließlich des übersichtlichen Sortiments (und vermutlich auch wegen ihres Mitgliedsbeitrags) sehr loyal ist, kann Costco auf die branchenüblichen Schweinebauchanzeigen verzichten (weitere 2 Prozent Ersparnis, die sich in der Preiskalkulation niederschlagen!). Das Unternehmen bietet genug Gründe, um im ausreichenden Maße weiterempfohlen zu werden, ob im In- oder Ausland.

Der NYT-Artikel enthält noch weitere Details.