Spenden-Marketing - was so auffällt
Spiegel Online wirft heute einen kritischen Blick auf Unternehmen, die mit anscheinend oder scheinbar guten Taten werben. Beim Lesen fielen mir so einige Dinge auf:
1. Die meisten Spendenprojekte zielen auf Frauen ab
Nun, sich um das Gemeinwohl zu kümmern, ist ohnehin ein eher weibliches Thema. Und die Produkte, die sich mit Spenden aufwerten wollen, entstammen der Food-Branche, also insgesamt den Alltagsgütern, die zu über 90 Prozent von Frauen gekauft / entschieden werden.
2. Die Themen sind 20 Jahre alt
Abgesehen von solchen Ausrutschern wie Krombachers Bier für den Erhalt des Regenwalds werden jedoch nicht nur die im Artikel genannten Spendenmotive aufgegriffen (angenehme Visualisierbarkeit). Vielmehr handelt es sich dabei auch um Projekte, die im Wesentlichen in den 80-er Jahren im Gewissen der Deutschen platziert wurden: Afrika, Kinder, Wasser (Mad Max lässt grüßen!) und Umwelt (gegen Atomkraft und sauren Regen lässt sich schlecht spenden, aber den Regenwald gibt es ja immernoch - Dank Krombacher).
3. Die Ziele der Spendenprojekte befinden sich fast ausnahmslos im Ausland
Ist das eigentlich nur mir aufgefallen? Wer in den USA auf sich hält und positiv (bei Frauen) auffallen will, unterstützt die eine oder andere Brustkrebsliga. Bei so vielen Unternehmen, die sich hier engagieren, drängen sich geradezu die Fragen auf, wie viele nationale Vereinigungen und Forschungsgruppen gegen Brustkrebs es in den USA überhaupt gibt, wieso überhaupt noch Amerikanerinnen an Brustkrebs erkranken können, angesichts einer so hohen Spendenbereitschaft (Brustkrebs bei Männern ist schließlich weltweit noch kein Thema), und weshalb sich niemand für Gebärmutterhalskrebs interessiert. Ach ja: Und wieso Prostata- oder andere überwiegend Männer betreffende Krebserkrankungen kein Werbethema sind.
In Deutschland eignet sich Krebs also (noch) nicht als Abverkaufsbeschleuniger. Überhaupt gibt es im Inland fast nichts zu tun, wie es scheint. Oder weswegen sonst dürfen sich deutsche Verbraucher nur für das Ausland interessieren?
Und noch einmal kurz zum Spiegel-Artikel: Ja, in der Tat muss einigen Unternehmen wenig seriöses Verhalten vorgehalten werden. Allein die Tatsache, einen Teil der Umsätze zu spenden, gehört meines Erachtens nicht zur Kritikwürdigkeit. Ganz im Gegenteil: Besser, gute Projekte kriegen Spenden und Aufmerksamkeit (und vielleicht die eine oder andere Spende extra), als dass gar nichts passiert. Wo ich mich der Autorin ganz sicher anschließe, ist beim peinlichen Beispiel von LTU und WWF.
Ja, es mag vereinzelt oder auch häufiger dazu kommen, dass Unternehmen ihr offiziell gutes Gewissen zu einem Schnäppchenpreis ergattern. Generell habe ich persönlich nichts dagegen einzuwenden, dass Unternehmen auch darüber Geld verdienen. Ich kann der in Deutschland grassierenden, zu oft von Neid und Unverständnis getriebenen Kritik an rentablen Unternehmen nichts abgewinnen. Schließlich brauchen wir doch eine florierende Wirtschaft und stabile Arbeitsplätze. Was wir ganz sicher nicht brauchen, sind noch mehr kontraproduktive 1-Euro-Jobs.