Wie verbreitet ist Gender Marketing inzwischen?


Garmins Pink Nüvi in der Werbekampagne zu Weihnachten 2007
Garmins Pink Nüvi in der Werbekampagne zu Weihnachten 2007: ein schönes Beispiel für schädliche Werbung für ein Produkt, das inzwischen aus gutem Grund vom Markt genommen wurde (Foto aus meiner persönlichen Sammlung)

Die vielleicht häufigste Frage, die mir gestellt wird, lautet: “Wie stark hat sich Gender Marketing inzwischen bei uns etabliert?” Mit “bei uns” ist in der Regel Deutschland oder der deutschsprachige Raum gemeint. Auf diese Frage möchte ich an dieser Stelle eine kurze Einschätzung geben.

Vor zwei Tagen berichtete die renommierte Journalistin Patricia Sellers in ihrem Blog auf der Fortune-Website von einem Business-Frühstück im obersten Stockwerk des General-Electric-Gebäudes im Rockefeller Center (New York, NY) unter dem Motto Marketing to Women in the Recession (Marketing für Frauen in der Rezession). Dieses Frühstück wurde von dem Medienunternehmen NBC Universal gesponsert und die Teilnehmer/innen entstammten große Unternehmen wie Coca Cola, Citigroup, CNBC und sicherlich viele ungenannte, die mit einem anderen Buchstaben des Alphabets beginnen.

Auch wenn die Autorin schreibt, dass das Thema sich schnell auf auf alle Konsumenten verallgemeinerte, können wir aus diesem kleinen Blogbeitrag viele Informationen ziehen:

  1. Marketing to Women ist in den USA inzwischen ein Zielgruppen-Marketing, deren Sinn niemand mehr anzweifelt. Durch die Konzerne ist es in der breiten Öffentlichkeit und damit im Alltag angekommen.
  2. Die großen Medienunternehmen haben sich des Themas angenommen. Wenn NBC Universal ein solches Frühstück sponsert, dann geschieht das für die Fortbildung seiner Werbekunden. Und indem diese Werbekunden geschlechtsspezifisches Marketing betreiben, findet es - unter anderem über die Medien - wiederum in die Öffentlichkeit.
  3. Der Bericht entstammt zwar “nur” einem Blog, doch immerhin einem Blog auf der Fortune-Website.
  4. Auch wenn die allgemeine Wirtschaftskrise derzeit alles andere dominiert (was am Finanzplatz New York auch wirklich nicht verwundern darf), so findet die Veranstaltung doch statt.
  5. Der Verdacht liegt nahe, dass die Referenten womöglich zu wenig Fachwissen bieten können, um eine Veranstaltung mit dem Titel Marketing für Frauen in der Rezession wirklich zu füllen. Sonst wäre sie thematisch nicht so stark abgeglitten, wie Sellers Blog-Eintrag den Eindruck erweckt.

Den ganzen Blog-Beitrag gibt es übrigens hier, aber Martha Barletta hat inhaltlich schon wesentlich Gehaltvolleres zum Marketing in der wirtschaftlichen Krise veröffentlicht.

Unternehmen
Natürlich gibt es auch “bei uns” Veranstaltungen, in denen Informationen zur - zumeist - weiblichen Zielgruppe vermittelt werden (und meistens bin da ja Referentin), aber an den meisten männlichen Entscheidern und den meisten Großunternehmen geht Geschlechtsspezifik als Wirtschaftsthema noch immer weit vorbei. Geschlecht gilt hierzulande noch sehr als Frauenthema. Nach Jahren der Beobachtung habe ich inzwischen verschiedene Hypothesen für Ursachen entwickelt, aber das ist eine andere Geschichte. Es wird noch Jahre brauchen, bis sich die Wahrnehmung gewandelt haben wird.

Über die Jahre habe ich in vielen Gesprächen erfahren müssen, dass auch so genannte Erfolgsstorys, die in ihren Branchen geradezu revolutionär waren oder sind, oft nur auf Zufälle zurückzuführen sind. Selbst wenn großartige Produkte entwickelt wurden, so wissen viele Unternehmen nicht, wie sie diesen Erfolg wiederholen können. Die Prinzipien des Gender Marketings passen nur selten mit den Gegebenheiten, Strukturen und Prozessen in Unternehmen zusammen. Die wenigsten sind in der Lage, gezielt für das weibliche Geschlecht zu entwickeln. Für Männer zu entwickeln ist viel leichter, weil es hierzu bereits viele Erkenntnisse aus der Vergangenheit gibt, aber auch, weil die meisten Produktentwickler und Entscheider Männer sind. Zwar vertun auch sie sich des öfteren, wenn sie von sich selbst auf andere schließen, doch ist die Kluft zu dieser Käufergruppe insgesamt geringer.

Forschung und Lehre
Die Komplexität von Gender Marketing stellt ein praktisches Problem dar. In einer Zeit, in der Menschen permanent overnewsed, but underinformed sind (frei übersetzt: überhäuft mit Nachrichten, aber zu wenig informiert), in der die Anforderungen an Mitarbeiter aus fast jeder Hierarchiestufe steigen, bleibt eigentlich keine Möglichkeit, sich selbst in eine Thematik einzuarbeiten, die sich noch weiter im Entstehen befindet. Es gibt kein einfachs Modell, keine kurzen Antworten oder leichte Lösungen. Stattdessen sind enorm viele Dinge zu bedenken und zu wissen. Jeden Tag erreichen uns unzählige neue Untersuchungsergebnisse aus den unterschiedlichsten Disziplinen, von der Medizin bis zur Werbewirkungsbefragung über bewusstes und unbewusstes Verhalten von Frauen und Männern. Ein erschreckend großer Teil dieser vermeintlichen Erkenntnisse ist methodologisch unsauber und daher nicht verwertbar, was aber nur wenige davon abhält, sie zu verbreiten. Die Fülle der Veröffentlichungen muss erfasst, gelesen, verstanden und beurteilt werden, bevor sie auch nur eventuell zu einer These für das Marketing verarbeitet werden kann, die dann noch geprüft und gegebenenfalls verändert oder verworfen werden muss. Eigentlich wäre das eine klassische Aufgabe für Universitäten, doch bis heute gibt es keinen diesbezüglichen Lehrstuhl, jedenfalls nicht “bei uns". Student/inn/en, die Arbeiten zu dem Thema schreiben wollen, haben oft Schwierigkeiten, Professoren dafür zu finden, werden an ihren Instituten häufig weder ernst genommen, noch unterstützt.

Dienstleister und Berater
Bislang haben sich “bei uns” nur wenige Berater in diesem Bereich versucht. Die meisten haben inzwischen aufgeben müssen. In den USA dagegen blüht die Beraterszene. Die meisten Frauenversteher sind weiblich. Genauso wenig, wie Männer Frauen verstehen, verstehen Frauen oft die Männer. Aus diesem Verständnismangel gibt es in den USA fast nur Marketing to Women. Erst neuerdings versuchen sich die allerersten Berater an Marketing to Men.

Es erstaunt auf den ersten Blick schon, dass ausgerechnet Länder wie Indien und einige aus der arabischen Liga seit einiger Zeit regelmäßig von sich reden machen. Die Presse aus diesen Ländern berichtet immer wieder von interessanten Marketing-Ansätzen, die sich an Frauen richten. Es erscheint erstaunlich, weil diese Länder uns insgesamt noch so rückständig erscheinen. Doch wenn man bedenkt, dass diese Länder auf ihrem Weg in die (westlich geprägte) Moderne diverse Marketing-Generationen überspringen müssen, dann landen sie eben - von so genannten Traditionen und Gewohnheiten völlig unvorbelastet - einige Schritte vor uns und damit deutlich näher an den USA. Im Übrigen kommen aus diesen emerging markets deutlich häufiger interessante Ansätze als aus den skandinavischen Ländern, die in Deutschland zu Unrecht als besonders fortschrittlich im Gender Marketing gelten (daran ist nur eine unbelegte Behauptung in Wikipedia schuld).

Kommunikation und Werbung
Die allermeisten Bewegungen sind in der Werbung zu sehen. Aber nur wenige Agenturen arbeiten so gut wie beispielsweise in dem aktuellen IKEA-Spot für Pax:

Die meisten Werbe- und sonstigen Kommunikationsagenturen überschätzen ihre Kenntnisse hinsichtlich der Kommunikation mit der weiblichen Zielgruppe bei weitem. Das ist doppeltes Pech für die Unternehmen, die sich für die weibliche Zielgruppe entscheiden und klug genug sind, um sich Know-how ins Haus zu holen. Sie wollen es richtig machen, allerdings fehlt ihnen selbst das Wissen. Umso ärgerlicher ist es, wenn sie nicht nachprüfen können, ob die vermeintlichen Experten auch wirklich wissen, was sie tun. Zu oft erweisen sich teuer eingekaufte Kampagnen nicht nur als unnütz, sondern auch als schädlich für das Unternehmen und die Marke.

Was den Agenturen allerdings nicht anzulasten ist, sind unverständige Werbeleiter und ihre Kollegen, die besser beraten werden, aber selbst fleißig ihre persönlichen Stereotypen pflegen. Auch das passiert.

Die Medien
In Deutschland nehme ich in den Medien ein schwankendes Interesse wahr. Die mediale Berichterstattung zum Gender Marketing oder auch nur zum Marketing für Frauen hat innerhalb des letzten Jahres stark abgenommen. Bis heute ist das geschlechtsspezifische Marketing weder in den klasseischen Wirtschaftsmedien (ausgenommen die löbliche FTD), noch im größten Teil der Fachpresse angekommen. Selbst sonst recht innovative Publikationen, die ich an dieser Stelle nicht beim Namen nennen möchte, halten das “für kein Thema". Die mangelnde Behandlung in den Medien ist keinesfalls nur der aktuellen Wirtschaftskrise geschuldet. Fakt aber ist: Ein Thema findet heute nur durch eine starke mediale Präsenz eine breite Öffentlichkeit. Manager haben oder nehmen sich nur sehr, sehr selten die Zeit, neue Themen gezielt zu suchen und zu studieren. Um sie zu erreichen, muss die Luft schon sehr mit Gender Marketing geschwängert sein. Nun, ich arbeite weiterhin daran.

Publikationen
Als ich an meinem ersten Buch Der Kunde ist weiblich arbeitete, war die Anzahl der Publikationen zum geschlechtsspezifischen Marketing noch sehr übersichtlich. Auch die Berichterstattung hielt sich in überschaubaren Grenzen. Das hat sich gründlich geändert. Es ist - wie ich schon sagte - nicht gerade der deutsche Sprachraum, der sich hervortut. Doch global betrachtet, ist die Flut an täglichen Veröffentlichungen nicht mehr zu bewältigen. Ein vollständiger Scan der täglichen internationalen Berichterstattungen ist undenkbar geworden. Das System, das ich mir bereits vor Jahren eingerichtet habe, um über Artikel und Bücher zu verschiedenen Mann/Frau-Themen auf dem Laufenden zu bleiben, funktioniert noch immer recht gut, aber meinen Umgang mit seinen Ergebnissen musste ich inzwischen radikal verändern.
Auch wurden in den letzten Jahren viele Bücher geschrieben, einige zum Marketing, viele zu anderen geschlechtsspezifischen Forschungsergebnissen und Metastudien. Alle, von denen ich weiß, stammen aus dem englischsprachigen Raum. Momentan stapeln sich mehr als 20 Bücher auf meinem Schreibtisch, die ich dringend lesen will. Und neue werden in den nächsten Tagen zusätzlich geliefert.

Österreich
Österreich liegt - nach meinem Erleben - deutlich vor Deutschland. In Österreich werden die Bemühungen um die Gleichstellung der Geschlechter im vollen Licht der Öffentlichkeit vorangetrieben. Medien berichten reichlich über Gender-Mainstreaming-Maßnahmen, die Politiker unterschiedlichster Ressorts tragen viel dazu bei. Das alles trägt stark dazu bei, “Geschlecht” als allgegenwärtiges Thema sichtbar zu machen, was dazu führt, dass die Bevölkerung es verinnerlicht und sich ihre Wahrnehmung automatisch verfeinert.

Ausblick
Es bewegt sich einiges. Das Interesse erwacht auch “bei uns". Aber wir haben noch einige Jahre in der Bewusstseinsentwicklung vor uns. Ich bin sehr zuversichtlich, doch ich fürchte auch die großen Qualitätsmängel, die mit der Durchsetzung des Gender Marketing vielerorts einher gehen werden. Ich verspreche, weiterhin mein bestes tun, dem etwas entgegen zu setzen.

Box-Highlight 2007


Floyd Mayweather in PlüschRicky Hattons Union Jack am Hintern
Floyd Mayweather jr. gegen Ricky Hatton: ein modisches Highlight

Der Boxkampf im Weltergewicht zwischen Floyd Mayweather jr. und Ricky Hatton war nicht gerade das, was man als elegant oder kultiviert bezeichnen könnte, selbst wenn man dem Boxen nicht grundsätzlich abgeneigt ist. (Mayweather gewann in der 10. Runde durch K.O.)

Was das Ereignis aber durchaus bemerkenswert machte, war die Wahl der Kampfbekleidung beider Recken. Es stach nämlich sogleich ins Auge, dass Mayweather in Plüsch (vulgo: Webpelz) und Hatton in aufwändig mit Pailletten bestickten Höschen kam. Welchen Eindruck das alles wohl zu Muhammed Alis Zeiten vermittelt hätte?

Oh Gott, ich kann noch immer nicht glauben, dass ich das hier schreibe…

Hugo und die Chromosomen


Die neuen Parfums von Hugo für Sie und Ihn
Die neuen Parfums von Hugo Boss, benannt nach dem chromosomalen Unterschied

Hugo Boss hat für die jüngere Linie Hugo zwei neue Duftwasser für die Dame und den Herren auf den Markt gebracht, bei denen die Bezeichnung unsere besondere Aufmerksamkeit verdient. Offensichtlich wollten die Verantwortlichen von den üblichen Klassifikationen Woman/Donna bzw. Man/Uomo etc. absehen.

In der aktuellen Geschlechterdiskussion wird am Rande auch immer mal wieder über die Definition von “Geschlecht” und ihre Zusammensetzung diskutiert. Wer mich kennt oder schon einmal einen Vortrag von mir gehört hat weiß, dass die so genannten gängigen Definitionen für meinen Geschmack viel zu häufig einer Ideologie gleichen.

Das Geschlecht zu definieren ist keine einfache Sache, immerhin stehen uns ungemein viele Betrachtungsebenen zur Verfügung, von denen die meisten gerne unterschlagen werden. Da haben wir mindestens

  • das chromosomale Geschlecht, zuweilen unpräzise auch als genetisches Geschlecht bezeichnet (XX bzw. XY auf dem 23. Chromosomenpaar)
  • das genitale Geschlecht
  • das gonadische oder hormonelle Geschlecht
  • das soziale Geschlecht, aber auch
  • das kulturelle Geschlecht sowie
  • ein immenser, noch kaum erforschter Einfluss durch Bildung

Es ist also alles gar nicht so simpel, trivial oder gar banal.

Boss hat sich für die neuen Hugo-Parfums ganz zeitgemäß für das chromosomale Geschlecht als Bezeichnung entschieden. Das fällt auf, setzt Zeichen. Mir gefällt es, sogar ausgesprochen gut. Aber ich weiß auch, dass sich manche Menschen womöglich dadurch ausgeschlossen fühlen. Die Natur leistet sich viele Variationen, auch beim Geschlecht. Geschlecht ist nicht für alle Menschen eine eindeutige Klassifizierung, immerhin gibt es XX-Männer und XY-Frauen, inter, und transsexuelle Menschen sowie weitere Varianten. In diversen Gesprächen konnte ich in der Vergangenheit lernen, dass Menschen sich auf Grund von Produkten und Kampagnen ausgeschlossen fühlen. Ich denke, dass es sehr wichtig ist, sich auch bei scheinbar alltäglichen Marketing-Entscheidungen stets zu verallgegenwärtigen, wie man Menschen einschließt, nicht aussperrt.

Nochmals: Mir gefällt die Hugo-Parfum-Bezeichnung professionell und persönlich sehr gut. Klassifizierungen wie in diesem Fall sind in aller Regel durchaus sinnvoll und erscheinen oft sogar unvermeidbar. Wir Marketing-Verantwortlichen sollten uns aber dennoch immer bewusst sein, dass zu jeder Norm auch die Deviation gehört. Und wann immer es sich um Menschen handelt, sollten wir uns mit Ihnen ernsthaft und respektvoll auseinandersetzen.

24.4.2007 Diana Jaffé

T-Systems: Sex am Arbeitsplatz?


Aktuelle Online-Kampagne von T-Systems

Aktuelle Online-Kampagne von T-Systems
Aktuelle Online-Kampagne von T-Systems: Sehen Sie den Arm über den Bettrand ragen?

“Jaaaaa…?!?", dachte ich, als ich diese Kampagne soeben entdeckte. Mir war nicht klar, was die Andeutung einer Bettszene mit “Business flexibility” in Verbindung bringen könnte, das nicht automatisch schlüpfrig gemeint sein könnte. Als ich dem Link nachging, klärte sich diese Frage weiterhin nicht, denn dort erwartete mich dieses Bild:

Bild auf der Homepage zur obigen Online-Kampagne von T-Systems
“Auflösung” auf der Homepage zur obigen Online-Kampagne

Da bleiben doch so einige Fragen offen, z. B.: Was will uns T-Systems damit eigentlich sagen? Oder: Wieso ist es schon wieder ein Kerl, der seine Füße hochlegen kann, während die Frau arbeiten und dabei auch noch lächeln muss? Fragen über Fragen…

Hornbach: Nur das Projekt zählt


Held des Projekts: Trümmerfrau
Hornbachs neue Kampagne: Held des Projekts

Hornbach wirbt nun mittels einer Diversity-Kampagne. Jetzt ist es egal, welches Alter, welche Nationalität, welches Handycap, welche Religion oder sexuelle Orientierung man hat. Es zählt einzig das Projekt.

Die Kampagne der Agentur Heimat ist wirklich schön geraten, aber ich finde ja fast immer etwas anzumäkeln. Ich meine, außer der Trümmerfrau hätte bei insgesamt sechs Motiven schon noch ein “Frauenmotiv” anfallen können, immerhin ist es ja nun wirklich kein Geheimnis mehr, dass die deutliche Mehrzahl von Männern keine Bohrmaschine mehr ohne Rücksprache mit dem Weibe kauft. Oder ist es doch noch nicht so bekannt?

Und meine zweite Mäkeligkeit bezieht sich auf den Kern der Kampagne: Wenn ich einen Gedanken mehr denke, dann ist es wirklich nett, dass ich zwar sein kann, wie ich bin (jedenfalls hinsichtlich Nationalität, Alter, sexueller Orientierung, Religion, Schönheitsgrad, Alter und Geschlecht), aber wenn es doch nur zweitrangig ist und das Projekt, also ein Ding, alles ist, was zählt… dann komme ich zu dem Schluss, dass es doch nur eine weitere Kampagne für Männer ist.

Aussiebum: Der “Wonderbra für Männer”


Wonderjock von Aussiebum: soll sein bestes Stück gut (= größer) aussehen lassen
Neu: Der Wonderjock soll sein bestes Stück gut (= größer) aussehen lassen

Aussiebum ist beinahe ein Synonym für Männer-Unter- und -Badewäsche mit frechem Image. Neben allerlei buntem Angebot gibt es nun die Wonderjock-Serie. Diese verspricht in etwas holpriger Übersetzung:
Die neue ‘wonderjock’ technik in diesen aufsehen erregenden, reine baumwolle patriotischen Unterhosen lassen ‘ihn’ groesser erscheinen und fuehlen sich auch noch fantastisch an.

Nun, die Slips mag man mögen oder nicht, die Größe mag entscheiden oder nicht, doch die Positionierung der Marke ist wahrhaft herzerfrischend. Es kann keinen Zweifel geben, dass sie mit dieser Art der Wäschepräsentation sowohl für Männer, als auch ihre Freundinnen funktioniert. Appetitliche Männerkörper vor australischen Kulissen bei strahlendem Sonnenschein… Ich wünschte, es gäbe ebenso unverkrampfte Konzepte für Frauen und empfehle zur Veranschaulichung insbesondere auch die Videosektion der Website.

Wer kauft die Weihnachtsgeschenke?


Braun Pulsonic Werbebanner Einstellung 1 Braun Pulsonic Werbebanner Einstellung 2 Braun Pulsonic Microsite - größer
Braun: Werbebanner für die Zielgruppe “Frau mit Partner", Produktinformationen für Männer

Es weihnachtet wieder einmal und die Schenkenden werden rechtzeitig mit freundlichen Hinweisen bedacht. Aus Gender-Marketing-Gesichtspunkten gut gemacht ist das Werbebanner von Braun für den Herrenrasierer Pulsonic.

Das Gerät selbst ist in Konzept und Design maskulin, der Name strahlt Technik aus. Doch für Kaufentscheidungen im so genannten Kleinelektro-Bereich sind Frauen zu über 70% zuständig. Dazu kommt die Verantwortlichkeit der Frauen für Geschenke. Und Weihnachten ist ein guter Anlass für Geschenke. Was also liegt näher, als zu genau diesem Zeitpunkt dieses Gerät bei Frauen zu bewerben? Richtig: nichts. Da ist es nur ein praktischer Benefit, Mehrwert, Zusatznutzen, dass die Entscheiderin mit einem Braun-Lockenstab für ihre gute Wahl belohnt wird, nicht wahr?

Auf jeden Fall führt die Bannerwerbung zu einer zwischengeschalteten Microsite für die Sonderaktion. Wünscht die Entscheiderin allerdings Produkt- oder weitere Informationen, wird sie auf die Produktwebsite weitergeleitet, die wiederum für Männer konzipiert ist. Schade, dass diese Stelle noch inkonsistent ist. Besser wäre die Erweiterung der Microsite um Produktinformationen und Bezugsquellen unter Beachtung weiblicher Sprache und entsprechendem Design gewesen. Mit einer konsistenten Microsite hätten sich - über die werblichen Ziele hinaus - auch weitere Zusatznutzen etablieren lassen, beispielsweise für die Datenerhebung und die Customer Relations. Nächstes Mal…

Ist das smart?


Sonderedition: Smart in Pink
Die Franzosen hielten im Dezember 2005 eine Pink-Edition für nötig

Aber sind die smart-Designer im Stammsitz schlauer als die Franzosen? Am 9. November wird der Modellnachfolger des Fortwo vorgestellt. Wie er aussehen wird? Spiegel online zitiert den Chefdesigner bei Smart, Hartmut Sinkwitz, so: “(…) Die Zeiten von Kindchenschema, Streicheleffekt und Knutschkugel sind passé.” Weiter heißt es im selben Artikel: “Wenn das Auto im nächsten März auf die Straßen komme, werde es ein sehr viel “maskulinerer” Smart sein.”

Demnach sind Kindchenschema und alles Niedliche weiblich? Was soll ich dazu noch sagen? Wie sicher sind die smart-Strategen bei der Kenntnis der Bedürfnisse von Autofahrerinnen und Autofahrern? Manchmal wohl etwas zu sicher, wie die Einstellung diverser Modelle in jüngerer Vergangenheit sowie die Schließung der smart GmbH zum 31.12.2006 beweist.

L’Oreal: Ohne die Damen pflegen sich die Herren nicht?


Kopfzeile auf der Website von L'Oreal men expert
Die Kopfzeile auf der Website von L’Oreal men expert beweist auf eindrucksvolle Weise die Fach- und Kund/inn/enkenntnis der L’Oreal-Marketer

Ich freue mich wahrlich sehr über das ausgezeichnete Konzept der Website für L’Oreal men expert. Hier ist alles zu finden, was für die erfolgreiche Kommunikation an Frauen und Männer auf dem - noch - komplizierten Sektor der Pflege für Herren nötig ist. Alles zu analysieren wäre sehr umfangreich und vielleicht auch nicht ganz fair im Sinne der Erfinder. Daher möchte ich nur einige kurze Worte zur oben gezeigten Kopfzeile der Website verlautbaren:

  1. Der Markenname “men expert” ist großartig, denn er greift Expertentum im Sinne der Spezialisierung auf, was eine wichtige Komponente im männlichen Denken darstellt.
  2. Der Claim Beste Technologien für die Haut jedes Mannes ist gleich zweifach gut:
    Erstens greift er die männliche Technikliebe auf und transferiert sie auf dieses zwar artfremde Gebiet, was jedoch keineswegs hinderlich wirkt. Eher wird eine präzise Positionierung inklusive aller nötigen Abgrenzung gegen Wettbewerber bewirkt.
    Zweitens wird jeder Mann eingeschlossen. Das ist nicht nur gut im Sinne der Zielgruppenmaximierung, sondern greift auch ein tiefes Bedürfnis von Männern auf: die Zugehörigkeit zu einer großen Gemeinschaft (die Fachliteratur spricht an dieser Stelle zuweilen auch von der Horde).
  3. Und zu alledem wird die Komponente Frau (ebenfalls) auf dreifache Weise eingebracht:
    Erstens muss der Pflegeaufwand sinnvoll motiviert werden. Es ist nachgewiesen, dass gutes Aussehen - bei Männern genauso wie bei Frauen - den beruflichen und gesellschaftlichen Erfolg begünstigt. Darüber hinaus spielt die Erhöhung der eigenen Chancen auf dem Partnermarkt natürlich eine unbestritten große Rolle.
    Zweitens spricht der “Stempel” Geprüft von uns Frauen ganz deutlich die Partnerinnen als langjährige Kundinnen und Kaufentscheiderinnen in den Haushalten an.
    Drittens wird auch hier mit von uns eine Gemeinschaft hergestellt, die allerdings gekonnt jeglichen Hinweises auf die Gruppengröße entbehrt.
    Und beinahe hätte ich noch vergessen, auf die weibliche Silhouette in diesem “Stempel” hinzuweisen, deren Körperhaltung ein gesundes “Standing” auf vielen verschiedenen Ebenen vermittelt…

Meisterlich. Einfach hervorragend!

Coca Cola launcht Light-Version für Männer


Logo Coca Cola Zero
Das Logo der No-Calorie-Coke für Männer variiert von Land zu Land.

Sie sieht fast genauso aus und hat nur eine Kalorie weniger als die Coke light, dafür heißt sie Zero, schmeckt angeblich wie die “normale” Coca Cola und wird in Deutschland, ebenso wie in Australien, in schwarz “gekleidet” daherkommen. Ach ja, und sie soll junge, gesundheitsbewusste Männer im Alter zwischen 20 und 29 Jahren ansprechen.

Viel ist darüber schon geschrieben worden, zuallererst natürlich in der Pressemitteilung des Konzerns. Wie die W&V meldet, soll die Einführung von vielen kostspieligen Werbeaktionen begleitet werden. Die sind hoffentlich aufregender als die US-amerikanische Website. Etwas Charmantes für Kerle hat man sich in Australien einfallen lassen.

Können Sie sich übrigens Coke mit Brombeergeschmack vorstellen? In Neuseeland wurde Coke Raspberry getestet und inzwischen wieder eingestellt. Sollten Sie mehr über die seltsamen (das heißt politisch korrekt natürlich: von unserem Geschmack abweichenden) Trinkgewohnheiten der Neuseeländer oder Mexikaner erfahren wollen, dann lesen Sie hier oder hier.

Zwei völlig unterschiedliche Sichtweisen auf Technik


Chip Chick - eine alternative Sicht auf Technik
Diese Seite gehörte schon längst von hier aus verlinkt

Chipchick bietet eine nicht zwingend weibliche, jedoch zweifellos alternative Sicht auf Technik. Gadgets die auch Frauen (manchmal vielleicht auch nur Mädchen) gefallen könnten, Accessoires, die Elektronik zu einer höheren Bedeutung verhelfen… kurz: Eine Menge Kram, mit dem sich auch Geld verdienen lässt. Und nicht zu knapp. Einiges könnte mir auch Spaß machen, wenn ich es recht bedenke.

Ist der Technology Evangelist eigentlich das Gegenteil von Chipchick?

10.4.2006 Diana Jaffé

Gibts denn sowas?


Autovermietung
Die Gibsnisch-Autovermietung

Eine schöne neue Kampagne eines Autovermieters ist hier zu bewundern. Bitte beachten Sie insbesondere das elegante Spiel mit den verschiedenen Stereotypen!

Auch Lob muss mal sein! Ja, sogar an diesem Ort, an dieser Stelle! Übrigens hat mich natürlich eine Online-Werbekampagne dorthin geführt.

1. Internationaler Gender Marketing Kongress in Deutschland


Endlich ist es soweit! Am 27. und 28. April 2006 findet der 1. Internationale Gender Marketing Kongress in Berlin statt. Viele spannende Sprecher werden die unterschiedlichsten Ansätze und Konzepte für Frauen, aber auch Männer (wie der Name des Kongresses ja sagt!) vorstellen. Auch ich selbst werde dort zu sehen und zu hören sein. Alle Infos:

http://www.gendermarketingkongress.de

Ich freue mich schon sehr darauf, Sie dort zu treffen!

Der Vogel wurde in dieser Woche abgeschossen von…


w&v Werben und Verkaufen
Die Fachzeitschrift für die Werbebranche: w&v Werben und Verkaufen hat sich nichts weiter dabei gedacht…

Was habe ich mich gewundert, als ich in der w&v von dieser Woche (Nr. 8/2006) einen Artikel mit dem Titel “Gefühle auf dem Prüfstand” entdeckte. Dabei handelt es sich um einen Bericht über den Test des neuen Magazins emotion aus dem Hause Gruner + Jahr.

Den Test durchgeführt haben die w&v-Titeltester. Sie haben sich das erste Exemplar des Psychologie-Magazins, das sich eindeutig für Leserinnen konzipiert wurde, zu Gemüte geführt und bewertet. Die Kommentare reichten von “wohltuend von den vielen oberflächlichen Artikeln in Frauenzeitschriften ab"[hebend] bis zur Verärgerung über “Belanglosigkeiten, die verallgemeinernd dargestellt werden". Und nun dürfen Sie, geneigte Leser/innen raten: Wie viele Frauen, wie viele Männer mögen das Heft wohl bewertet haben?

Es waren 9 Männer - und keine einzige Frau. Und deren Prognosen hinsichtlich der künftigen Anzeigenkunden waren ebenso unsäglich, wie die heutige Realität in fast allen Frauenzeitschriften: DOB, Kosmetik, Food, Pharma. 9 Männer beurteilen ein neues Frauenmagazin - und niemandem fällt diese Absurdität auf?!

Erstausgabe der Zeitschrift emotion von Gruner + Jahr

13.2.2006 Diana Jaffé

Werbung für den Mann


Peugeot 407 Coupé - POUR HOMME
Nur für Männer (und Auto + Mann nur für Frauen): Der Peugeot 407 Coupé

Holsten, Peugeot ("pour homme") und Head & Shoulders sind nur einige Beispiele für einen neuen Trend: Gezielte Werbung für den Mann. H&S hat sogar die Men’s Challenge ausgerufen. Der Gesamtsieger so männlicher Disziplinen wie “Offroad-Driving, Cross-Golfing und Barkeeping” kann den ultra-männlichen Audi Q7 gewinnen.

Verzeihen Sie mir meinen leisen Spott, denn eigentlich unterstütze ich doch so klare und konsequente Entscheidungen für eine Zielgruppe. Ich habe nur versucht mir vorzustellen, dass ähnliche oder andere Produkte ebenso offensiv für Frauen beworben werden - und bin bei diesem Versuch kläglich gescheitert. “Nur für Männer” ist griffig und attraktiv, während “nur für Frauen” bestenfalls den Charme von Damenbinden versprüht. Wann immer aber die Klassifizierung “für Frauen” fällt, reagiert unser aller Konditionierung automatisch mit dem Gedanken “Emanze!". Wie verkäst ist unsere Wahrnehmung eigentlich? Letztes Jahr habe ich mich selbst dabei ertappt, wie ich mich über die Bezeichnung eines großartigen Zusammenschlusses von Businessfrauen in Wien gewundert habe. Sie nennen sich selbst schlicht und ergreifend den “Club der Frauen". Die Österreicherinnen und Österreicher pflegen hier offensichtlich einen pragmatischen, sogar entspannten Umgang mit der Geschlechterthematik. Das ist wahrlich sehr angenehm.

Und noch ein Gedanke: Richten sich alle anderen Automarken und -modelle, Herrenshampoos (dieses Thema ist schließlich nicht neu) sowie Biersorten (auch oder ausschließlich) an Frauen, wenn der explizite Zusatz “für den Mann” fehlt? Wurden diese Artikel schon immer für die Käuferinnen und Nutzerinnen entwickelt?

Einen hab ich noch: Bin ich automatisch ein Mann, wenn mir der oben gezeigte Wagen auch gefällt? Und müssen sich Frauen verkleiden, um den verkauft zu bekommen?

Pharmaindustrie: Fusion von Wissenschaft und Kapitalismus


Pillen für und gegen alles
Gender Marketing in der Medizin: Soll mit Pillen wirklich alles lösbar sein?

Die Pharmaindustrie gilt in den USA als der profitabelste Wirtschaftszweig von allen. Sie erfand nicht nur die “Volkskrankheiten” Osteoporose für Frauen und “Aufmerksamkeitsdefizitsyndrom” bei Kindern, sondern auch die “erektile Dysfunktion” bei Männern. Die Menschen glauben es, nehmen an der Hormonersatzterapie teil, stopfen die eigenen Kinder mit dem Amphetamin Ritalin voll und die Männer tragen selbst die Schuld, wenn sie nicht die Hengste sind, die sie doch bedenkenlos mit Pfitzers Hilfe sein könnten.

Der Artikel in der Schweizer WOZ (Die Wochenzeitung) ist zwar über ein Jahr alt, aber noch immer genauso aktuell. Es handelt sich dabei um ein Interview mit der Autorin des Buchs “The Rise of Viagra: How the Little Blue Pill Changed Sex in America”, Meika Loe. Loe beschreibt zum Beispiel, dass die Zielgruppe des Viagra-Herstellers Pfizer sich massiv verjüngt hat und wieso das zu gesellschaftlichen Veränderungen führt. Und der New York Times war es tatsächlich einen Artikel wert, als Pfizer seine Bestrebungen aufgab, Viagra an den weiblichen Organismus anzupassen.

Ja, das sind alles - theoretisch - hervorragende Beispiele für Gender Marketing (mit Ausnahme von Ritalin). Zu dumm, dass ausgerechnet die Pharma-Industrie es besser versteht als beinahe alle anderen Branchen!

Eine Frage, der ich auf Vorträgen und Veranstaltungen häufiger begegene ist mit der Befürchtung verknüpft, mit Gender Marketing würden die Menschen dazu verleitet, noch mehr unsinniges Zeug zu kaufen und zu konsumieren. Und diese Menschen haben Recht, wenn sie an der Moral mancher Unternehmen zweifeln.

Marketing und Moral?
Ja.
Ich denke, dass man nicht alles tun muss, nur weil man es tun kann.
Was denken Sie?

Stark nachgefragt: Der Beitrag von Spiegel TV


Herzlichen Dank für die vielen netten Komplimente und Aufmerksamkeiten im Zusammenhang mit dem Beitrag von Spiegel TV am 30.10.2005.

Alle, die den Beitrag verpasst haben, können ihn als Video on demand bei Spiegel TV nachholen.

Und da sage noch einer, eCommerce funktioniert nicht


Ich gebe es ja zu: Ich bin ein Fan von Spiegel Online. Sie schaffen es stets, kuriose Beiträge herbeizuschaffen, so auch diesmal wieder: Vier Ex-College-Jungs bieten auf ihrer Website den gesammelten Unsinn an, der sonst unter US-amerikanischen Studenten per E-Mail kursiert. Im vergangenen Jahr konnten sie - vermutlich durch Werbeschaltungen - zwei Mio. US$ Umsatz verbuchen. Respekt!

Zum Bedauern der Ex-College-jetzt-Manhatten-Loft-Bewohner können sie den Anteil der weiblichen Userinnen von 30 Prozent nicht weiter steigern. Vielen Mädels ist das Angebot doch zu grob.

Hier ist der Artikel bei Spiegel Online und hier die Originalsite CollegeHumor.