…Intel auch


Kleiner Nachtrag: Zeitgleich mit Dell, allerdings für die deutschsprachigen Damen, hat Intel sich an dem Thema “weibliche Zielgruppe” versucht - und ebenso verhoben. Das Ergebnis schleicht sich unter dem schlichten Namen meinnotebook.de fast unbemerkt an.

Auch nicht schön.

Medienpartner sind laut Notebookcheck “CondéNet und beQueen inklusive Facebook und Twitter". (Interessant finde ich, dass der einzige beQueen-Artikel zum Suchbegriff “Notebook” bis zum heutigen Tag der Vorstellung von meinnotebook.de gilt.)

Das geht alles viel schöner. Und dann funktioniert das auch.

Wie verbreitet ist Gender Marketing inzwischen?


Garmins Pink Nüvi in der Werbekampagne zu Weihnachten 2007
Garmins Pink Nüvi in der Werbekampagne zu Weihnachten 2007: ein schönes Beispiel für schädliche Werbung für ein Produkt, das inzwischen aus gutem Grund vom Markt genommen wurde (Foto aus meiner persönlichen Sammlung)

Die vielleicht häufigste Frage, die mir gestellt wird, lautet: “Wie stark hat sich Gender Marketing inzwischen bei uns etabliert?” Mit “bei uns” ist in der Regel Deutschland oder der deutschsprachige Raum gemeint. Auf diese Frage möchte ich an dieser Stelle eine kurze Einschätzung geben.

Vor zwei Tagen berichtete die renommierte Journalistin Patricia Sellers in ihrem Blog auf der Fortune-Website von einem Business-Frühstück im obersten Stockwerk des General-Electric-Gebäudes im Rockefeller Center (New York, NY) unter dem Motto Marketing to Women in the Recession (Marketing für Frauen in der Rezession). Dieses Frühstück wurde von dem Medienunternehmen NBC Universal gesponsert und die Teilnehmer/innen entstammten große Unternehmen wie Coca Cola, Citigroup, CNBC und sicherlich viele ungenannte, die mit einem anderen Buchstaben des Alphabets beginnen.

Auch wenn die Autorin schreibt, dass das Thema sich schnell auf auf alle Konsumenten verallgemeinerte, können wir aus diesem kleinen Blogbeitrag viele Informationen ziehen:

  1. Marketing to Women ist in den USA inzwischen ein Zielgruppen-Marketing, deren Sinn niemand mehr anzweifelt. Durch die Konzerne ist es in der breiten Öffentlichkeit und damit im Alltag angekommen.
  2. Die großen Medienunternehmen haben sich des Themas angenommen. Wenn NBC Universal ein solches Frühstück sponsert, dann geschieht das für die Fortbildung seiner Werbekunden. Und indem diese Werbekunden geschlechtsspezifisches Marketing betreiben, findet es - unter anderem über die Medien - wiederum in die Öffentlichkeit.
  3. Der Bericht entstammt zwar “nur” einem Blog, doch immerhin einem Blog auf der Fortune-Website.
  4. Auch wenn die allgemeine Wirtschaftskrise derzeit alles andere dominiert (was am Finanzplatz New York auch wirklich nicht verwundern darf), so findet die Veranstaltung doch statt.
  5. Der Verdacht liegt nahe, dass die Referenten womöglich zu wenig Fachwissen bieten können, um eine Veranstaltung mit dem Titel Marketing für Frauen in der Rezession wirklich zu füllen. Sonst wäre sie thematisch nicht so stark abgeglitten, wie Sellers Blog-Eintrag den Eindruck erweckt.

Den ganzen Blog-Beitrag gibt es übrigens hier, aber Martha Barletta hat inhaltlich schon wesentlich Gehaltvolleres zum Marketing in der wirtschaftlichen Krise veröffentlicht.

Unternehmen
Natürlich gibt es auch “bei uns” Veranstaltungen, in denen Informationen zur - zumeist - weiblichen Zielgruppe vermittelt werden (und meistens bin da ja Referentin), aber an den meisten männlichen Entscheidern und den meisten Großunternehmen geht Geschlechtsspezifik als Wirtschaftsthema noch immer weit vorbei. Geschlecht gilt hierzulande noch sehr als Frauenthema. Nach Jahren der Beobachtung habe ich inzwischen verschiedene Hypothesen für Ursachen entwickelt, aber das ist eine andere Geschichte. Es wird noch Jahre brauchen, bis sich die Wahrnehmung gewandelt haben wird.

Über die Jahre habe ich in vielen Gesprächen erfahren müssen, dass auch so genannte Erfolgsstorys, die in ihren Branchen geradezu revolutionär waren oder sind, oft nur auf Zufälle zurückzuführen sind. Selbst wenn großartige Produkte entwickelt wurden, so wissen viele Unternehmen nicht, wie sie diesen Erfolg wiederholen können. Die Prinzipien des Gender Marketings passen nur selten mit den Gegebenheiten, Strukturen und Prozessen in Unternehmen zusammen. Die wenigsten sind in der Lage, gezielt für das weibliche Geschlecht zu entwickeln. Für Männer zu entwickeln ist viel leichter, weil es hierzu bereits viele Erkenntnisse aus der Vergangenheit gibt, aber auch, weil die meisten Produktentwickler und Entscheider Männer sind. Zwar vertun auch sie sich des öfteren, wenn sie von sich selbst auf andere schließen, doch ist die Kluft zu dieser Käufergruppe insgesamt geringer.

Forschung und Lehre
Die Komplexität von Gender Marketing stellt ein praktisches Problem dar. In einer Zeit, in der Menschen permanent overnewsed, but underinformed sind (frei übersetzt: überhäuft mit Nachrichten, aber zu wenig informiert), in der die Anforderungen an Mitarbeiter aus fast jeder Hierarchiestufe steigen, bleibt eigentlich keine Möglichkeit, sich selbst in eine Thematik einzuarbeiten, die sich noch weiter im Entstehen befindet. Es gibt kein einfachs Modell, keine kurzen Antworten oder leichte Lösungen. Stattdessen sind enorm viele Dinge zu bedenken und zu wissen. Jeden Tag erreichen uns unzählige neue Untersuchungsergebnisse aus den unterschiedlichsten Disziplinen, von der Medizin bis zur Werbewirkungsbefragung über bewusstes und unbewusstes Verhalten von Frauen und Männern. Ein erschreckend großer Teil dieser vermeintlichen Erkenntnisse ist methodologisch unsauber und daher nicht verwertbar, was aber nur wenige davon abhält, sie zu verbreiten. Die Fülle der Veröffentlichungen muss erfasst, gelesen, verstanden und beurteilt werden, bevor sie auch nur eventuell zu einer These für das Marketing verarbeitet werden kann, die dann noch geprüft und gegebenenfalls verändert oder verworfen werden muss. Eigentlich wäre das eine klassische Aufgabe für Universitäten, doch bis heute gibt es keinen diesbezüglichen Lehrstuhl, jedenfalls nicht “bei uns". Student/inn/en, die Arbeiten zu dem Thema schreiben wollen, haben oft Schwierigkeiten, Professoren dafür zu finden, werden an ihren Instituten häufig weder ernst genommen, noch unterstützt.

Dienstleister und Berater
Bislang haben sich “bei uns” nur wenige Berater in diesem Bereich versucht. Die meisten haben inzwischen aufgeben müssen. In den USA dagegen blüht die Beraterszene. Die meisten Frauenversteher sind weiblich. Genauso wenig, wie Männer Frauen verstehen, verstehen Frauen oft die Männer. Aus diesem Verständnismangel gibt es in den USA fast nur Marketing to Women. Erst neuerdings versuchen sich die allerersten Berater an Marketing to Men.

Es erstaunt auf den ersten Blick schon, dass ausgerechnet Länder wie Indien und einige aus der arabischen Liga seit einiger Zeit regelmäßig von sich reden machen. Die Presse aus diesen Ländern berichtet immer wieder von interessanten Marketing-Ansätzen, die sich an Frauen richten. Es erscheint erstaunlich, weil diese Länder uns insgesamt noch so rückständig erscheinen. Doch wenn man bedenkt, dass diese Länder auf ihrem Weg in die (westlich geprägte) Moderne diverse Marketing-Generationen überspringen müssen, dann landen sie eben - von so genannten Traditionen und Gewohnheiten völlig unvorbelastet - einige Schritte vor uns und damit deutlich näher an den USA. Im Übrigen kommen aus diesen emerging markets deutlich häufiger interessante Ansätze als aus den skandinavischen Ländern, die in Deutschland zu Unrecht als besonders fortschrittlich im Gender Marketing gelten (daran ist nur eine unbelegte Behauptung in Wikipedia schuld).

Kommunikation und Werbung
Die allermeisten Bewegungen sind in der Werbung zu sehen. Aber nur wenige Agenturen arbeiten so gut wie beispielsweise in dem aktuellen IKEA-Spot für Pax:

Die meisten Werbe- und sonstigen Kommunikationsagenturen überschätzen ihre Kenntnisse hinsichtlich der Kommunikation mit der weiblichen Zielgruppe bei weitem. Das ist doppeltes Pech für die Unternehmen, die sich für die weibliche Zielgruppe entscheiden und klug genug sind, um sich Know-how ins Haus zu holen. Sie wollen es richtig machen, allerdings fehlt ihnen selbst das Wissen. Umso ärgerlicher ist es, wenn sie nicht nachprüfen können, ob die vermeintlichen Experten auch wirklich wissen, was sie tun. Zu oft erweisen sich teuer eingekaufte Kampagnen nicht nur als unnütz, sondern auch als schädlich für das Unternehmen und die Marke.

Was den Agenturen allerdings nicht anzulasten ist, sind unverständige Werbeleiter und ihre Kollegen, die besser beraten werden, aber selbst fleißig ihre persönlichen Stereotypen pflegen. Auch das passiert.

Die Medien
In Deutschland nehme ich in den Medien ein schwankendes Interesse wahr. Die mediale Berichterstattung zum Gender Marketing oder auch nur zum Marketing für Frauen hat innerhalb des letzten Jahres stark abgenommen. Bis heute ist das geschlechtsspezifische Marketing weder in den klasseischen Wirtschaftsmedien (ausgenommen die löbliche FTD), noch im größten Teil der Fachpresse angekommen. Selbst sonst recht innovative Publikationen, die ich an dieser Stelle nicht beim Namen nennen möchte, halten das “für kein Thema". Die mangelnde Behandlung in den Medien ist keinesfalls nur der aktuellen Wirtschaftskrise geschuldet. Fakt aber ist: Ein Thema findet heute nur durch eine starke mediale Präsenz eine breite Öffentlichkeit. Manager haben oder nehmen sich nur sehr, sehr selten die Zeit, neue Themen gezielt zu suchen und zu studieren. Um sie zu erreichen, muss die Luft schon sehr mit Gender Marketing geschwängert sein. Nun, ich arbeite weiterhin daran.

Publikationen
Als ich an meinem ersten Buch Der Kunde ist weiblich arbeitete, war die Anzahl der Publikationen zum geschlechtsspezifischen Marketing noch sehr übersichtlich. Auch die Berichterstattung hielt sich in überschaubaren Grenzen. Das hat sich gründlich geändert. Es ist - wie ich schon sagte - nicht gerade der deutsche Sprachraum, der sich hervortut. Doch global betrachtet, ist die Flut an täglichen Veröffentlichungen nicht mehr zu bewältigen. Ein vollständiger Scan der täglichen internationalen Berichterstattungen ist undenkbar geworden. Das System, das ich mir bereits vor Jahren eingerichtet habe, um über Artikel und Bücher zu verschiedenen Mann/Frau-Themen auf dem Laufenden zu bleiben, funktioniert noch immer recht gut, aber meinen Umgang mit seinen Ergebnissen musste ich inzwischen radikal verändern.
Auch wurden in den letzten Jahren viele Bücher geschrieben, einige zum Marketing, viele zu anderen geschlechtsspezifischen Forschungsergebnissen und Metastudien. Alle, von denen ich weiß, stammen aus dem englischsprachigen Raum. Momentan stapeln sich mehr als 20 Bücher auf meinem Schreibtisch, die ich dringend lesen will. Und neue werden in den nächsten Tagen zusätzlich geliefert.

Österreich
Österreich liegt - nach meinem Erleben - deutlich vor Deutschland. In Österreich werden die Bemühungen um die Gleichstellung der Geschlechter im vollen Licht der Öffentlichkeit vorangetrieben. Medien berichten reichlich über Gender-Mainstreaming-Maßnahmen, die Politiker unterschiedlichster Ressorts tragen viel dazu bei. Das alles trägt stark dazu bei, “Geschlecht” als allgegenwärtiges Thema sichtbar zu machen, was dazu führt, dass die Bevölkerung es verinnerlicht und sich ihre Wahrnehmung automatisch verfeinert.

Ausblick
Es bewegt sich einiges. Das Interesse erwacht auch “bei uns". Aber wir haben noch einige Jahre in der Bewusstseinsentwicklung vor uns. Ich bin sehr zuversichtlich, doch ich fürchte auch die großen Qualitätsmängel, die mit der Durchsetzung des Gender Marketing vielerorts einher gehen werden. Ich verspreche, weiterhin mein bestes tun, dem etwas entgegen zu setzen.

Frauenmagazine boomen als Print, Online und als Kombi


Kaum hat sich der Burda-Verlag in den USA am Frauennetzwerk Glam Inc beteiligt, können wir feststellen, dass es sich um eine allgemeine Entwicklung zu handeln scheint. Überall sprießen neue Presse-Angebote für Frauen aus dem Boden, manche mit bekannten, andere mit neuen Konzepten.

Gesucht: Sportsfreundin
Gelungene Zeitschrift mit vielen neuen Konzepten: Gesucht: Sportsfreundin

Zu den neuen Konzepten gehört mit Sicherheit Gesucht: Sportsfreundin. Der Schwerpunkt diese Publikation liegt auf der gedruckten Zeitschrift, die kostenlos im Sportfachhandel erhältlich ist. Die Website dient flankierend der Absicht, Frauen die Möglichkeit zu geben, eine Sportpartnerin in ihrer Umgebung zu finden und befindet sich noch im Aufbau. Besonders bemerkenswert sind die neuen Konzepte der Macherinnen, die zweifellos eine neue Generation der Informationsaufbereitung und -präsentation für die sportliche und gebildete Frau von heute einläuten. Die verwendete Sprache ist in der Januar-Februar-2008-Ausgabe ein Genuss. Ich empfehle dringend die Besorgung der aktuellen Ausgabe.

Ein anderes, ebenfalls von einem kleinen Verlag initiiertes Magazin ist mag-pearl.de, das allerdings zu den reinen Online-Magazinen gehört. Ein kurzer Blick genügt, denn es gibt noch nicht viel zu lesen. Die Navigation lässt allerdings auch nicht viel mehr Inhalte zu. Kommt man als Userin nicht auf die Idee, dass man wie in einer Zeitschrift (linear!) blättern soll, dann verschwimmen die wenigen Artikeln ganz fix. Die Inhalte sind konventionell wie für einen Großteil der Frauenzeitschriften üblich und bieten der etwas anspruchsvolleren Leserin kein Futter. Dafür soll künftig auch hier das Web 2.0 und damit die Arbeit von Leserinnen Einzug halten. Warum also bringe ich dieses Magazin überhaupt zur Sprache?

Es ist das erste Mal, dass ich Werbung von Mercedes Benz in einem Frauenmagazin sehe!

Werbebanner von Merceds Benz auf mag-pearl.de
Mercedes Benz wirbt per Banner auf mag-pearl.de

Gut, es handelt sich zwar nur um ein Banner auf der Einstiegsseite, aber das ist doch auffällig genug. Natürlich handelt es sich nicht um eines der sportlicheren Modelle, sondern um den Kombi der C-Klasse (Mütter aufgepasst!). Doch werden wir hiermit vielleicht Zeuginnen und Zeugen einer neuen Werbeära? Werden wir bald endlich wieder Fahrerinnen sehen können, statt der ewigen Beifahrerinnen? Ich jedenfalls halte meine Augen offen.

Übrigens brauchen Sie nicht auf den Mercedes-Link zu klicken. Die Microsite, auf die das Werbebanner von Merceds führt, vermeidet wie üblich, sich an Frauen zu richten.

“The “girls rule” trend in content creation”


Glitter Graphics

Für die Kreation von solchen “Kunstwerken” haben Mädchen angeblich mehr Geduld als Jungen. Aber sicherlich auch mehr Interesse, und nicht nur daran.

Unter den 12- bis 17-jährigen Internet-Nutzern sind Mädchen inzwischen die deutlich aktiveren, zumindest wenn es um die Kreation von Web-Inhalten geht. Die New York Times widmete dieser Erkenntnis gestern einen Artikel, in dem auch die Studie des Pew Internet & American Life Project zitiert wird. Demnach bloggen 35% der Mädchen in dieser Altersgruppe, aber nur 20% der Jungen. Auch in der Gestaltung einer eigenen Website haben Mädchen, zumindest in den USA, die Nase vorne (32% der Mädchen, 22% der Jungen). Allerdings werden mehr Videos von Jungen veröffentlicht.

Besonders interessant an diesem NYT-Artikel ist aber die Feststellung, wie unterschiedlich die Interessen, aber auch die kommunikativen, wie auch kreativen Bedürfnisse und Fähigkeiten von Mädchen und Jungen sind.

Ich stimme Pat Gills Erklärungsversuch für die Verschiedenartigkeit der Selbstpräsentationen nicht zu. Die Direktorin des Institute for Communications Research und assoziierte Professorin für die Gender and Women’s Studies an der University of Illinois schreibt das unterschiedliche Verhalten einmal mehr der Erziehung zu. So würden Mädchen schon sehr früh lernen, ein Objekt zu sein und würden sich später entsprechend im Internet präsentieren.

Glitter Graphics

Dagegen überzeugt mich das zitierte Ergebnis einer Untersuchung des Berkman Center for Internet & Society an der Harvard Law School, viel mehr. Demnach nutzen Mädchen und junge Frauen das Internet als eine neue Ausdrucksform für die eigene Persönlichkeit. Die eigene Website, so John Palfrey, Geschäftsführer des Berkman Centers, sei zu vergleichen mit der Auswahl der Bekleidung. Aus demselben Grund würden die Mädchen so eifersüchtig darüber wachen, ob von ihren Websites Elemente geklaut werden. So kommt es gelegentlich zu Warnungen wie „hotlink and die“ (hotlink bedeutet die Einbindung fremder Bilder auf die eigene Website).

Übrigens lohnen sich die Aktivitäten der Mädchen bereits in mehrfacher Hinsicht. Einige von Ihnen erhalten Werbegelder von Unternehmen für die Nennung in ihren Podcasts, was genauso funktioniert wie die Werbung in der Anfangszeit des Radios. Im Januar habe ich auf einem Vortrag von Alexander Wunschel gelernt, dass Podcasts von Frauen bzw. mit Frauenstimmen sehr viel öfter gehört werden als Podcasts von Männern. Diesen Umstand machen sich viele zunutze, darunter auch Spiegel Online mit Ehrensenf.

Glitter Graphics

Und für alle, die etwas mehr über die aktuelle Web-Glitter-Mode erfahren wollen, die starten am besten bei Google oder zum Beispiel direkt bei Glitterbank. Wenn Sie allerdings denken, dass dies schon der Gipfel ist, dann habe ich noch etwas für Sie, das alles toppt: Es gibt auch eine albanische Website, die Glitter-Bilder für die Unabhängigkeit des Kosovo zum Download bereitstellt. Leider bringt diese Website meinen Browser zum Absturz, weswegen ich sie an dieser Stelle nicht zu verlinken wage. Auf jeden Fall gibt es mehr zwischen Himmel und Erde…

23.8.2007 Diana Jaffé

Spiele für Wii & Co.


Ubisoft-Logo

Natürlich muss es für die Spielekonsolen auch Spiele geben. Und so innovativ die Technik ist, so innovativ müssen die Spiel-Konzepte für die vollständige Ausnutzung der technischen Spielmöglichkeiten sein. Ubisoft stellt auf seiner heutigen Pressekonferenz (PK) die Gedanken hinter dem Ansatz “Spiele für mich” vor. Hier wird klar kommuniziert, dass die Spiele-Genres um neue Spiel-Prinzipien ergänzt werden sollen.
Hier (Teil 2 der PK) der betreffende Aussschnitt der PK (größtenteils auf Englisch).

Aktuell sind alle erdenklichen Tierspiele für junge Mädchen sehr beliebt (bei Entwicklern und Spielerinnen gleichermaßen), die Auswahl wächst und wächst. Wie immer, in allen Branchen, wollen alle einen Teil desselben Kuchens. Dies und mehr gibt es hier (Teil 3 der PK).

PS: Was ich besonders bemerkenswert finde ist die Qualität der Figuren bei dem gezeigten Reiterhof-Spiel. Sie bewegen sich so hölzern und die Mimik ist so gering, dass selbst die Figuren aus den japanischen Trickfilmen aus den 1970-ern wie Heidi, Wicki und Captain Future geradezu realistisch dagegen wirken. Das mag für junge Mädchen eine Zeit lang reichen, aber gewiss nicht lange. Da wir heute wissen, dass schon neugeborene Mädchen bevorzugt Gesichter anschauen, während Jungen, die auch gerade einen Tag alt sind, bevorzugt auf Gegenstände reagieren, und dies sich im ganzen Leben fortsetzt, ist die Informationsvermittlung über körperliche Merkmale gerade in den Spielen wichtig, die auch von Mädchen bzw. Frauen gespielt - und insbesondere gekauft! - werden sollen.

31.1.2007 Diana Jaffé

Bravo, Signora Lario!


Es hat nichts mit Marketing zu tun, dafür aber mit einem anderen Thema, das mir schon seit einiger Zeit zu denken gibt: Was ist “weiblich"?

Zum ersten Mal ernsthaft sprang mich diese Frage vor einigen Monaten in den Niederlanden an, als ich nur geringfügig gehetzt von meinem Hotel zu meinem Vortragsort schlenderte. Da kamen mir drei junge Frauen entgegen, eindeutig Immigrantinnen, für das damalige Wetter auffällig kurz und reizvoll bekleidet. Des Holländischen zwar nicht mächtig, fiel mir sofort der Kontrast zwischen ihrem aufwändigen Styling und ihrem Kommunikationsstil auf. Ihnen war es offensichtlich sehr wichtig, als Frauen begehrt zu werden, ihre verbale sowie körperliche Sprache konnten dagegen nicht männlicher sein! Sie wollten stark erscheinen (und das gehört für die meisten Frauen jeglicher Nationalität, jedes Alters sowie jeder sozialen Schicht heute zum eigenen Selbstverständnis) - hatten aber kein Vokabular, keine Gestik weiblicher Stärke zur Verfügung. Ich gebe zu, es gab mir zu denken. Ich denke noch immer darüber nach, denn bis heute habe ich keine “Definition für weibliche Stärke” ohne “zeitgeistige Verfälschung durch männliche Verhaltensweisen und Werte” gefunden, die mich überzeugt hätte. Mir scheint, hier ging viel verloren. Vielleicht zu viel. Ich befürchte, es war einer der Preise, die wir in der Vergangenheit für zweifellos notwendige Gleichstellungsbemühungen bezahlt haben, ohne es zu merken.

So, und jetzt komme ich über diesen Umweg endlich zu Veronica Lario. Sie ist nämlich die Gattin des berüchtigten Silvio Berlusconi, seines Zeichens italienischer Medienmogul und Ex-Premier. Sie schrieb ihrem Mann in der ihm eher gegnerisch gesinnten, nicht zu seinem Medien-Imperium gehörenden, Zeitung La Repubblica einen offenen Brief, in dem sie eine Entschuldigung für seine Avancen anderen Frauen gegenüber forderte. Er habe dadurch ihre Ehre als Frau verletzt.

Und tatsächlich hat er ihr sogar noch am heutigen Tag geantwortet, ebenfalls in La Repubblica. Für alle, die zufällig nicht fließend Italienisch sprechen, hier die deutsche Kurzfassung des ersten Teils.

Warum mich das alles beschäftigt? Weil ich “wie ist heute eine Frau stark, ohne auf männliche Sprache und Symbolik zurückzugreifen?” für eine wichtige Frage halte. Weil es mich erschreckt, dass mir weder spontan, noch nach Monaten der Überlegung eine überzeugende Antwort darauf einfällt. Weil es mir sehr zu denken gibt, dass ich männliche Stärke sehr wohl erklären kann. Weil ich mag, was Signora Lario getan hat.

L’Oreal: Ohne die Damen pflegen sich die Herren nicht?


Kopfzeile auf der Website von L'Oreal men expert
Die Kopfzeile auf der Website von L’Oreal men expert beweist auf eindrucksvolle Weise die Fach- und Kund/inn/enkenntnis der L’Oreal-Marketer

Ich freue mich wahrlich sehr über das ausgezeichnete Konzept der Website für L’Oreal men expert. Hier ist alles zu finden, was für die erfolgreiche Kommunikation an Frauen und Männer auf dem - noch - komplizierten Sektor der Pflege für Herren nötig ist. Alles zu analysieren wäre sehr umfangreich und vielleicht auch nicht ganz fair im Sinne der Erfinder. Daher möchte ich nur einige kurze Worte zur oben gezeigten Kopfzeile der Website verlautbaren:

  1. Der Markenname “men expert” ist großartig, denn er greift Expertentum im Sinne der Spezialisierung auf, was eine wichtige Komponente im männlichen Denken darstellt.
  2. Der Claim Beste Technologien für die Haut jedes Mannes ist gleich zweifach gut:
    Erstens greift er die männliche Technikliebe auf und transferiert sie auf dieses zwar artfremde Gebiet, was jedoch keineswegs hinderlich wirkt. Eher wird eine präzise Positionierung inklusive aller nötigen Abgrenzung gegen Wettbewerber bewirkt.
    Zweitens wird jeder Mann eingeschlossen. Das ist nicht nur gut im Sinne der Zielgruppenmaximierung, sondern greift auch ein tiefes Bedürfnis von Männern auf: die Zugehörigkeit zu einer großen Gemeinschaft (die Fachliteratur spricht an dieser Stelle zuweilen auch von der Horde).
  3. Und zu alledem wird die Komponente Frau (ebenfalls) auf dreifache Weise eingebracht:
    Erstens muss der Pflegeaufwand sinnvoll motiviert werden. Es ist nachgewiesen, dass gutes Aussehen - bei Männern genauso wie bei Frauen - den beruflichen und gesellschaftlichen Erfolg begünstigt. Darüber hinaus spielt die Erhöhung der eigenen Chancen auf dem Partnermarkt natürlich eine unbestritten große Rolle.
    Zweitens spricht der “Stempel” Geprüft von uns Frauen ganz deutlich die Partnerinnen als langjährige Kundinnen und Kaufentscheiderinnen in den Haushalten an.
    Drittens wird auch hier mit von uns eine Gemeinschaft hergestellt, die allerdings gekonnt jeglichen Hinweises auf die Gruppengröße entbehrt.
    Und beinahe hätte ich noch vergessen, auf die weibliche Silhouette in diesem “Stempel” hinzuweisen, deren Körperhaltung ein gesundes “Standing” auf vielen verschiedenen Ebenen vermittelt…

Meisterlich. Einfach hervorragend!

Weibliche Stars über 40 endlich erlaubt?


Sharon Stone für Dior
Sharon Stone zeigt es allen - hier bei Dior

Sharon Stone hat schon mehrfach stilbildend gewirkt, doch wahrscheinlich war ihre Rolle gesellschaftlich kaum je so prägend wie heute. Hollywood war noch nie berühmt dafür, Frauen jenseits der 40 interessante oder gar wichtige Rollen zu bieten. Mit Basic Instinct 2 hat die inzwischen 48-jährige geschafft, was nur sehr selten vorkommt: Eine weibliche Hauptrolle mit Aussagekraft zu ergattern (eine recht interessante kleine Analyse dazu hier). Dabei sollte klar sein, dass eine alternde Gesellschaft weitaus mehr Filme mit älterer Besetzung fordern wird. Oder glaubt etwa jemand ernsthaft, dass Teenie-Filme für die Generationen 40+ irgendeine Relevanz besitzen?

Die Kosmetik-Industrie jedenfalls lernt mit großen Schritten. Endlich. Legendär ist Doves international angelegte Kampagne Initiative für wahre Schönheit, die unter anderem auch das Alter thematisierte. Seit nunmehr 2 Jahren läuft sie mit weiterhin großem Erfolg.

Interessant ist, dass nun allmählich auch die Luxus-Marken merken, dass Frauen über 40 nicht gleich das Gras aus der Tasche zu wachsen beginnt. Dior holte sich im Herbst 2005 Sharon Stone für eine neue Kampagne (auch das wurde schon zum gegebenen Zeitpunkt berichtet).

Einen wirklich lesenswerten Artikel zu Sharon Stone, weiblichen Stars im besten - und häufig schönsten! - Alter, Kosmetik und mehr finden Sie hier.

Der Vogel wurde in dieser Woche abgeschossen von…


w&v Werben und Verkaufen
Die Fachzeitschrift für die Werbebranche: w&v Werben und Verkaufen hat sich nichts weiter dabei gedacht…

Was habe ich mich gewundert, als ich in der w&v von dieser Woche (Nr. 8/2006) einen Artikel mit dem Titel “Gefühle auf dem Prüfstand” entdeckte. Dabei handelt es sich um einen Bericht über den Test des neuen Magazins emotion aus dem Hause Gruner + Jahr.

Den Test durchgeführt haben die w&v-Titeltester. Sie haben sich das erste Exemplar des Psychologie-Magazins, das sich eindeutig für Leserinnen konzipiert wurde, zu Gemüte geführt und bewertet. Die Kommentare reichten von “wohltuend von den vielen oberflächlichen Artikeln in Frauenzeitschriften ab"[hebend] bis zur Verärgerung über “Belanglosigkeiten, die verallgemeinernd dargestellt werden". Und nun dürfen Sie, geneigte Leser/innen raten: Wie viele Frauen, wie viele Männer mögen das Heft wohl bewertet haben?

Es waren 9 Männer - und keine einzige Frau. Und deren Prognosen hinsichtlich der künftigen Anzeigenkunden waren ebenso unsäglich, wie die heutige Realität in fast allen Frauenzeitschriften: DOB, Kosmetik, Food, Pharma. 9 Männer beurteilen ein neues Frauenmagazin - und niemandem fällt diese Absurdität auf?!

Erstausgabe der Zeitschrift emotion von Gruner + Jahr

Hollywood: Männer übernehmen Frauenrollen


Hollywood sign

Ein großartiger Artikel beleuchtet die aktuellen Produktionen und Releases der US-amerikanischen Filmindustrie. Unter dem Titel The lady vanishes — yet again analysiert die Filmhistorikerin und Buchautorin Marjorie Rosen scharfsinnig die jüngsten Entwicklungen in unterschiedlichen Film-Genres, welche Überlegungen seitens der Macher zu welchen Entscheidungen führ(t)en und auf welches Kinopublikum man sich verlassen kann und welches nicht.

Die Erkenntnisse, die Rosen aus ihren Beobachtungen zieht, sind beinahe alle auch identisch auf andere Branchen übertragbar.

Stark nachgefragt: Der Beitrag von Spiegel TV


Herzlichen Dank für die vielen netten Komplimente und Aufmerksamkeiten im Zusammenhang mit dem Beitrag von Spiegel TV am 30.10.2005.

Alle, die den Beitrag verpasst haben, können ihn als Video on demand bei Spiegel TV nachholen.

MSN überprüft die angeblichen Gehälter von TV-Charakteren


Money Money Money

Auf diese Idee muss man ja erst einmal kommen: Was würden TV-Charktere wie Carrie Bradshaw ("Sex and the City") und Homer Simpson ("Die Simpsons") verdienen, wenn sie richtige Menschen wären und eben keine TV-Ikonen? MSN hat es nachgeprüft und hier sind die Ergebnisse. Fakt ist jedenfalls, dass es eine Carrie Bradshaw mit diesem Lebensstil bei einem Jahressalär von 57.000 US$ nicht gäbe. Dafür aber würde ein Sicherheitsinspektor in einem Kernkraftwerk sich bei dem Simpsonschen Lebensstil durchaus viel Bier leisten können (64.000 US$ jährlich).

Unternehmerinnen als Medien-Zielgruppe


Und wieder ist es eine Geschäftsidee aus den USA, die mich zum Nachdenken bringt. Dr. Letitia S. Wright, CEO von Wright Place T.V. aus dem kalifornische Pasadena, produziert seit Jahren eine Business-Show für Unternehmerinnen. Die Sendung wird an verschiedene regionale Fernsehsender verkauft, ist also noch nicht landesweit zu empfangen. Dank der Verlinkung zu einem Live-Stream kann sie jedoch wenigstens zu den Sendezeiten eines Senders online geschaut werden (habe ich noch nicht).

Wie wäre es denn, wenn n-tv eine derartige Sendung bringen würde? Es steht jedoch zu befürchten, dass dort niemand arbeitet, der oder die Ideen für ein funktionierendes Konzept generieren könnte.

10.6.2005 Diana Jaffé

Eine Kanzlerin? Ein gefundenes Fressen!


Angela Merkel
Angela Merkel: Schon bald die erste Kanzlerin Deutschlands?

Oder um die Überschrift dieses Beitrags zu präzisieren: Die aktuellen Diskussionen und Medienbeiträge über Angela Merkel sind eine Herausforderung an (mit Sicherheit nicht nur) meinen Langmut.

Zugegeben: Deutschland hat zum ersten Mal eine Kanzlerkandidatin. Da erscheint es bei genauerer Überlegung nur logisch, dass die Medien um eine angemessene Berichterstattung ringen. Oder doch nicht? Ich frage mich, ob vor der Wahl einer Indira Ghandi, einer Golda Meir, einer Benazir Bhutto und all der anderen auch im selben Maße Geschlechter- und Schönheitsdiskussionen geführt wurden (Hinweise sind ausdrücklich erbeten!).* Und die Netzeitung berichtet über einen Artikel der “Neuen Revue”, in dem mehr oder minder prominente Frauen für die Wahl Frau Merkels werben. Ich gebe zu, dass ich den Originalartikel nicht bemüht habe.

Was allerdings an der ganzen Geschichte bemerkenswert ist, ist die in weiten Kreisen geführte Diskussion, ob Frauen Angela Merkel allein auf Grund ihres Geschlechts wählen sollten. Artikel wie der in der “Neuen Revue” gehen mindestens einen Schritt weiter. Auf diese Weise werden mehr oder minder aktuelle Sympathieträgerinnen dafür eingesetzt, direkte Empfehlungen auszusprechen. Fast wie im richtigen Leben unter Frauen… Oder wie klassische Testimonials in der Produktwerbung… Na, halt irgendwas dazwischen.

* Einen interessanten Artikel gab es kürzlich in der Online-Ausgabe des österreichischen “Standard” unter dem Titel Präsidentinnen weltweit. Leider scheint dieser Artikel nur noch über das Archiv verfügbar zu sein. Einige (!) Hinweise auf weibliche Staatsoberhäupter lassen sich jedoch auch hier finden.

21.2.2005 Diana Jaffé

“Simpsons” versetzen US-amerikanische Eltern in Aufruhr


Marge Simpson (links) und Patty Bouvier (rechts) mit ihrer Freundin
Stein des Anstoßes: Marge Simpson (links) und Patty Bouvier (rechts) mit ihrer Ehefrau

Zugegeben, es hat auf den ersten Blick verhältnismäßig wenig mit Marketing zu tun, aber doch mit dem Selbstverständnis von Gesellschaften: In den USA hat die am 20. Februar bei Fox ausgestrahlte Folge der Simpsons großen Aufruhr verursacht. Darin hat die Schwester von Marge Simpson, Patty Bouvier sich als lesbisch geoutet und ihre Freundin geheiratet. Homer Simpson hat das Paar selbst getraut.

Der Präsident des Parents Television Council ( PTV), L. Brent Bozell III, einer Vertretung von Eltern, die Medieninhalte auf Familientauglichkeit hin überwachen, war der Ansicht, Homosexualität eigne sich nicht als Thema für eine Kindersendung.

Die Simpsons, die sich selten gescheut haben, auch diffizile Gesellschaftsthemen aufzugreifen, haben selten für so viel Gesprächsstoff gesorgt. Trotz der seit Jahren andauernden Anti-Raucher-Kampagne in den USA rauchen die Schwestern Patty und Selma Bouvier noch immer Kette. Und als im Vorfeld des Irak-Kriegs die Simpsons eingesetzt wurden, um die feigen Europäer zu verspotten, die eine Beteiligung an Kriegshandlungen ablehnten, krähte auch kein Hahn.

Dafür dürften sich die Homosexuellen-Verbände wieder einmal sehr freuen. Für sie war es in den neunziger Jahren schon ein Fest, als sich die bekannte Schauspielerin Ellen DeGeneres in ihrer SitCom Ellen outete.

Die New York Times berichtete hier.