Kleiner Nachtrag: Zeitgleich mit Dell, allerdings für die deutschsprachigen Damen, hat Intel sich an dem Thema “weibliche Zielgruppe” versucht - und ebenso verhoben. Das Ergebnis schleicht sich unter dem schlichten Namen meinnotebook.de fast unbemerkt an.
Auch nicht schön.
Medienpartner sind laut Notebookcheck “CondéNet und beQueen inklusive Facebook und Twitter". (Interessant finde ich, dass der einzige beQueen-Artikel zum Suchbegriff “Notebook” bis zum heutigen Tag der Vorstellung von meinnotebook.de gilt.)
Das geht alles viel schöner. Und dann funktioniert das auch.
Dells “Della": Das eigene Wissen über Frauen wurde vollkommen überschätzt
Vor wenigen Tagen hat Dell ganz stolz seine neue Website für Frauen namens Della präsentiert. Das Dumme ist nur, dass sie es so grottenschlecht gemacht haben, dass sich weltweit ein Sturm der Entrüstung erhoben hat. Und ich übertreibe nicht, wie ich noch zeigen werde.
Bedauerlicherweise habe ich aus Zeitmangel versäumt, rechtzeitig die ursprünglichen Seiten zu speichern. Aber ein zentrales Element habe ich bewahrt. Bitte schnallen Sie sich an:
Seven Unexpected Ways a Netbook Can Change Your Life
Once you get beyond how cute they are, you’ll find that netbooks can do a lot more than check your email.
1. Get smarter: It’s easy to turn your netbook into a completely portable eBook reader. You can download the free Adobe Digital Editions software to manage your eBooks or access more than 28,000 free books at Project Gutenburg. 2. Get healthier: Track your exercise and food intake at free online sites like Fitday. Use your mini to track calories, carbs and protein with ease, watch online fitness videos, map your running routes and more. 3. Eat better: Find recipes online, store and organize them, and watch cooking videos. 4. Get organized:Remember the Milk is a free, tweakable online task manager that’s easy to use: you track your time, make lists and send yourself remembers with Google Calendar and Google Tasks. Lifehacker is a great place to find out about the latest online productivity tools to make your life simpler, easier and better. 5. Chill out: Stressed? Your mini can be your meditation buddy as you take mini-breaks throughout your day (schedule them, with reminders, on your calendar). You can find free guided meditations, download meditation podcasts, watch yoga videos, create soothing slideshows of images and music and even bliss out to Visible Earth images courtesy of NASA. 6. Travel smarter: Your lightweight, packable netbook can transform your traveling experience, whether you’re commuting across town or backpacking the globe. Use your netbook to vlog and blog about your journey; translate your blogs into other languages; help you convert currency; track the weather; collect, edit and upload photos; entertain you in airports, trains and buses. 7. Stay in the clouds: “Cloud computing” is a buzzword for what your mini does best: save money and time by using free online apps for everything you need-meaning you don’t need to buy, install or update a bunch of space- and memory-hogging applications on your computer itself. No matter what operating system you have, it’s easy to find free and low-cost streaming media and online apps. Use Google Docs to create and share spreadsheets, presentations, reports, forms and more; edit, store and share your photos online as well. Any time you need to transfer data to or from your mini, you can stream it, port it via removable SD cards or USB flash drives or plug in an external drive.
Von “knapp vorbei” kann da keine Rede mehr sein, ist sich die Web-Gemeinde einig. Die Empörung war noch innerhalb der ersten zwei Tage nach dem Launch der Seite so riesig, dass Dell zu einigen fixen Änderungen gezwungen war – und zu kleinlauten Entschuldigungen. Peinlich, peinlich. Dabei war und ist die Della-Site zwar ziemlich schlecht, aber noch lange nicht katastrophal.
Vor allem aber ist dieser Dell/Della-Fall ein ganz wichtiges Zeichen für alle Unternehmen: Die Zeiten, in denen eine misslungene Kampagne für Frauen sang- und klanglos in der Versenkung verschwindet, sind endgültig vorbei! Die Welt nimmt von jeder Blamage Notiz und ahndet sie gnadenlos.
Interessanterweise regen sich Blogger beiderlei Geschlechts gleichermaßen auf. Auch das ist neu – und durchaus lesenswert.
Das alles ist natürlich kein Einzelfall, sondern in Deutschland sowie allen anderen Europäischen Ländern absolut an der Tagesordnung. Seit Jahren mache ich die Erfahrung, dass Unternehmen ihr Wissen über Konsumentinnen maßlos überschätzen.
Liebe Unternehmen und Entscheider: Fragt mich doch einfach, bevor Ihr Eurem Unternehmen, Eurem Ruf und Eurer Marke solch einen teuren und dauerhaften Schaden zufügt.
Es gibt jetzt eine Ehrenbarbie “Angela Merkel", allerdings in den üblichen Barbie-Maßen und mit pinker Barbie-Fahne. Kleine Mädchen sollen jetzt also auch Politiker zum Vorbild haben. Das ist löblich, aber wieso bitte immer noch eine Figur anstreben, die rein anatomisch nicht möglich ist? Mediziner haben herausgefunden, dass eine Frau mit Barbie-Proportionen unmöglich überleben kann. Ihre Taille ist so schmal, dass ihr das Atmen schwerfallen müsste, außerdem gibt es in ihrem Bauch zu wenig Platz für alle Organe, die ein Mensch zum Leben braucht. “Wäre Barbie ein Mensch, würde sie vorne über kippen.” Umso erstaunlicher, dass Barbie nun 50 Jahre alt wird. Zeit etwas zu ändern, Zeit Barbie neu zu denken.
Lay’s Chips in unendlicher Sortenvielfalt, einschließlich “Limone” und “Ranch". Da möchte man doch fast fragen, wie eine Ranch schmeckt.
Manchmal ist es ja nicht so einfach. Da möchte ich ein Unternehmen eigentlich loben, weil es eine gute, konsequent geschlechtsspezifische Marketing-Strategie entwickelt hat, aber dann ist sein Produkt(sortiment) aus gesundheitlichen oder anderen Gründen nicht lobenswert. Um so einen Fall handelt es sich auch bei dem US-amerikanischen Snack-Produzenten Frito-Lay, einem Tochterunternehmen von PepsiCo. Ich berichte trotzdem, wann immer es etwas zu lernen gibt (und ich Zeit zum Schreiben finde).
Heute erreichte mich wieder einmal ein richtig guter Artikel aus Indien, der ziemlich ausführlich über die neue Strategie von Frito-Lay in den USA berichtet. Die Snacks sollen nun besser an Frauen adressiert werden.
Man fand heraus, dass Frauen doppelt so viel snacken wie Männer, jedoch weniger Salzgebäck (und deutlich weniger Frito-Lay-Erzeugnisse). Demnach betragen nur 14% der von Frauen konsumierten Snacks Salziges. Dafür bestehen 25% ihrer Zwischen- oder Nebenher-Mahlzeiten aus Süßem, die restlichen 61% fassen Getränke, Obst und Gemüse zusammen. (Die Untersuchung wurde aller Wahrscheinlichkeit nach nur in den USA durchgeführt, allerdings dürften die Vorlieben auf andere westliche Länder übertragbar sein.) Weitere Untersuchungen von Frito-Lay und diversen Dienstleistern ergaben, dass Frauen ständig unter einem schlechten Gewissen leiden. Frühere Kampagnen haben jedoch gezeigt, dass die Vermittlung eines „sündenfreien“ Genusses keinesfalls dazu führt, dass Frauen sich besser, erleichtert, entlastet fühlen. So entschied man diesmal, den großen Bereich der Schuldgefühle mit großem Abstand zum umrunden.
Zuerst wurde eine neue Segmentierung beschlossen. Quer durch die vielen Frito-Lay-Marken (z. B. Doritos, Tostitos, Sunchips und viele andere) wurde erhoben, welche Back- und Geschmacksrichtungen überwiegend von Frauen oder Männern gekauft werden. Man stellte fest, dass Frauen gerne etwas Gesundes essen. Gemessen an den üblichen US-amerikanischen Gepflogenheiten und Gewohnheiten ist man bei Frito-Lay scheinbar tatsächlich davon überzeugt, dass die gebackenen - statt frittierten - Snacks gesund sind. So hat das Unternehmen keinen moralischen oder anderen Zweifel daran, diesen Pfad weiterzugehen.
Aus Alt mach Neu, aus pseudo-neutral mach ansprechend für Frauen.
Diese gebackenen Extensions jedweder Marke wurden unter dem Dach Baked! zusammengefasst, behielten darunter aber den Markennamen und die Benennung der Geschmacksrichtung bei. Diese Baked!-Linie erhielt ein neues Verpackungsdesign. Diese Verpackungen sind ausdrücklich nicht girlish, also auch nicht rosa. Aber das ist noch lange nicht alles. Auch für den Handel hat man sich eine neue Strategie überlegt. So sollen alle Lay-Produkte für Frauen (darunter z. B. auch eine Popcorn-Linie) eine eigene Regal-Platzierung abseits des üblichen Snack-Regals erhalten, weil die Chips-Regale üblicherweise unorganisiert und wenig ansprechend auf Frauen wirken.
Der große Renner in den USA: Packungsgrößen nicht nach Gewicht des Produkts, sondern der Esserin: 100 Kalorien pro Packung
Und Frito-Lay kann das natürlich auch. Nur das Packungsdesign wirkt nicht so dynamisch wie bei allen anderen.
Ach ja: Eine neue Verpackungsgröße gibt es auch gleich noch. In den USA kommen 100-Kalorien-Packungsgrößen gerade schwer in Mode. (Inzwischen gibt es sogar 100-Kalorien-Websites und 100-Kalorien-Blogs, auf denen 100-Kalorien-Packungsgrößen präsentiert werden.) Auch Frito-Lay hat hier das Passende für das gute Gefühl, sich gesund zu ernähren, zu bieten.
Und natürlich gibt es eine neue Kampagne. Der Trailer ist bereits zu sehen (siehe oben), weitere Folgen folgen ab März 2009. Die Mädels sind wie Frauen im richtigen Leben, natürlich nur ohne die üblichen Probleme, und sie sind Trickfilmfiguren. Aber sonst wie echte Frauen. Nur lustiger.
Garmins Pink Nüvi in der Werbekampagne zu Weihnachten 2007: ein schönes Beispiel für schädliche Werbung für ein Produkt, das inzwischen aus gutem Grund vom Markt genommen wurde (Foto aus meiner persönlichen Sammlung)
Die vielleicht häufigste Frage, die mir gestellt wird, lautet: “Wie stark hat sich Gender Marketing inzwischen bei uns etabliert?” Mit “bei uns” ist in der Regel Deutschland oder der deutschsprachige Raum gemeint. Auf diese Frage möchte ich an dieser Stelle eine kurze Einschätzung geben.
Vor zwei Tagen berichtete die renommierte Journalistin Patricia Sellers in ihrem Blog auf der Fortune-Website von einem Business-Frühstück im obersten Stockwerk des General-Electric-Gebäudes im Rockefeller Center (New York, NY) unter dem Motto Marketing to Women in the Recession (Marketing für Frauen in der Rezession). Dieses Frühstück wurde von dem Medienunternehmen NBC Universal gesponsert und die Teilnehmer/innen entstammten große Unternehmen wie Coca Cola, Citigroup, CNBC und sicherlich viele ungenannte, die mit einem anderen Buchstaben des Alphabets beginnen.
Auch wenn die Autorin schreibt, dass das Thema sich schnell auf auf alle Konsumenten verallgemeinerte, können wir aus diesem kleinen Blogbeitrag viele Informationen ziehen:
Marketing to Women ist in den USA inzwischen ein Zielgruppen-Marketing, deren Sinn niemand mehr anzweifelt. Durch die Konzerne ist es in der breiten Öffentlichkeit und damit im Alltag angekommen.
Die großen Medienunternehmen haben sich des Themas angenommen. Wenn NBC Universal ein solches Frühstück sponsert, dann geschieht das für die Fortbildung seiner Werbekunden. Und indem diese Werbekunden geschlechtsspezifisches Marketing betreiben, findet es - unter anderem über die Medien - wiederum in die Öffentlichkeit.
Der Bericht entstammt zwar “nur” einem Blog, doch immerhin einem Blog auf der Fortune-Website.
Auch wenn die allgemeine Wirtschaftskrise derzeit alles andere dominiert (was am Finanzplatz New York auch wirklich nicht verwundern darf), so findet die Veranstaltung doch statt.
Der Verdacht liegt nahe, dass die Referenten womöglich zu wenig Fachwissen bieten können, um eine Veranstaltung mit dem Titel Marketing für Frauen in der Rezession wirklich zu füllen. Sonst wäre sie thematisch nicht so stark abgeglitten, wie Sellers Blog-Eintrag den Eindruck erweckt.
Den ganzen Blog-Beitrag gibt es übrigens hier, aber Martha Barletta hat inhaltlich schon wesentlich Gehaltvolleres zum Marketing in der wirtschaftlichen Krise veröffentlicht.
Unternehmen
Natürlich gibt es auch “bei uns” Veranstaltungen, in denen Informationen zur - zumeist - weiblichen Zielgruppe vermittelt werden (und meistens bin da ja Referentin), aber an den meisten männlichen Entscheidern und den meisten Großunternehmen geht Geschlechtsspezifik als Wirtschaftsthema noch immer weit vorbei. Geschlecht gilt hierzulande noch sehr als Frauenthema. Nach Jahren der Beobachtung habe ich inzwischen verschiedene Hypothesen für Ursachen entwickelt, aber das ist eine andere Geschichte. Es wird noch Jahre brauchen, bis sich die Wahrnehmung gewandelt haben wird.
Über die Jahre habe ich in vielen Gesprächen erfahren müssen, dass auch so genannte Erfolgsstorys, die in ihren Branchen geradezu revolutionär waren oder sind, oft nur auf Zufälle zurückzuführen sind. Selbst wenn großartige Produkte entwickelt wurden, so wissen viele Unternehmen nicht, wie sie diesen Erfolg wiederholen können. Die Prinzipien des Gender Marketings passen nur selten mit den Gegebenheiten, Strukturen und Prozessen in Unternehmen zusammen. Die wenigsten sind in der Lage, gezielt für das weibliche Geschlecht zu entwickeln. Für Männer zu entwickeln ist viel leichter, weil es hierzu bereits viele Erkenntnisse aus der Vergangenheit gibt, aber auch, weil die meisten Produktentwickler und Entscheider Männer sind. Zwar vertun auch sie sich des öfteren, wenn sie von sich selbst auf andere schließen, doch ist die Kluft zu dieser Käufergruppe insgesamt geringer.
Forschung und Lehre
Die Komplexität von Gender Marketing stellt ein praktisches Problem dar. In einer Zeit, in der Menschen permanent overnewsed, but underinformed sind (frei übersetzt: überhäuft mit Nachrichten, aber zu wenig informiert), in der die Anforderungen an Mitarbeiter aus fast jeder Hierarchiestufe steigen, bleibt eigentlich keine Möglichkeit, sich selbst in eine Thematik einzuarbeiten, die sich noch weiter im Entstehen befindet. Es gibt kein einfachs Modell, keine kurzen Antworten oder leichte Lösungen. Stattdessen sind enorm viele Dinge zu bedenken und zu wissen. Jeden Tag erreichen uns unzählige neue Untersuchungsergebnisse aus den unterschiedlichsten Disziplinen, von der Medizin bis zur Werbewirkungsbefragung über bewusstes und unbewusstes Verhalten von Frauen und Männern. Ein erschreckend großer Teil dieser vermeintlichen Erkenntnisse ist methodologisch unsauber und daher nicht verwertbar, was aber nur wenige davon abhält, sie zu verbreiten. Die Fülle der Veröffentlichungen muss erfasst, gelesen, verstanden und beurteilt werden, bevor sie auch nur eventuell zu einer These für das Marketing verarbeitet werden kann, die dann noch geprüft und gegebenenfalls verändert oder verworfen werden muss. Eigentlich wäre das eine klassische Aufgabe für Universitäten, doch bis heute gibt es keinen diesbezüglichen Lehrstuhl, jedenfalls nicht “bei uns". Student/inn/en, die Arbeiten zu dem Thema schreiben wollen, haben oft Schwierigkeiten, Professoren dafür zu finden, werden an ihren Instituten häufig weder ernst genommen, noch unterstützt.
Dienstleister und Berater
Bislang haben sich “bei uns” nur wenige Berater in diesem Bereich versucht. Die meisten haben inzwischen aufgeben müssen. In den USA dagegen blüht die Beraterszene. Die meisten Frauenversteher sind weiblich. Genauso wenig, wie Männer Frauen verstehen, verstehen Frauen oft die Männer. Aus diesem Verständnismangel gibt es in den USA fast nur Marketing to Women. Erst neuerdings versuchen sich die allerersten Berater an Marketing to Men.
Es erstaunt auf den ersten Blick schon, dass ausgerechnet Länder wie Indien und einige aus der arabischen Liga seit einiger Zeit regelmäßig von sich reden machen. Die Presse aus diesen Ländern berichtet immer wieder von interessanten Marketing-Ansätzen, die sich an Frauen richten. Es erscheint erstaunlich, weil diese Länder uns insgesamt noch so rückständig erscheinen. Doch wenn man bedenkt, dass diese Länder auf ihrem Weg in die (westlich geprägte) Moderne diverse Marketing-Generationen überspringen müssen, dann landen sie eben - von so genannten Traditionen und Gewohnheiten völlig unvorbelastet - einige Schritte vor uns und damit deutlich näher an den USA. Im Übrigen kommen aus diesen emerging markets deutlich häufiger interessante Ansätze als aus den skandinavischen Ländern, die in Deutschland zu Unrecht als besonders fortschrittlich im Gender Marketing gelten (daran ist nur eine unbelegte Behauptung in Wikipedia schuld).
Kommunikation und Werbung
Die allermeisten Bewegungen sind in der Werbung zu sehen. Aber nur wenige Agenturen arbeiten so gut wie beispielsweise in dem aktuellen IKEA-Spot für Pax:
Die meisten Werbe- und sonstigen Kommunikationsagenturen überschätzen ihre Kenntnisse hinsichtlich der Kommunikation mit der weiblichen Zielgruppe bei weitem. Das ist doppeltes Pech für die Unternehmen, die sich für die weibliche Zielgruppe entscheiden und klug genug sind, um sich Know-how ins Haus zu holen. Sie wollen es richtig machen, allerdings fehlt ihnen selbst das Wissen. Umso ärgerlicher ist es, wenn sie nicht nachprüfen können, ob die vermeintlichen Experten auch wirklich wissen, was sie tun. Zu oft erweisen sich teuer eingekaufte Kampagnen nicht nur als unnütz, sondern auch als schädlich für das Unternehmen und die Marke.
Was den Agenturen allerdings nicht anzulasten ist, sind unverständige Werbeleiter und ihre Kollegen, die besser beraten werden, aber selbst fleißig ihre persönlichen Stereotypen pflegen. Auch das passiert.
Die Medien
In Deutschland nehme ich in den Medien ein schwankendes Interesse wahr. Die mediale Berichterstattung zum Gender Marketing oder auch nur zum Marketing für Frauen hat innerhalb des letzten Jahres stark abgenommen. Bis heute ist das geschlechtsspezifische Marketing weder in den klasseischen Wirtschaftsmedien (ausgenommen die löbliche FTD), noch im größten Teil der Fachpresse angekommen. Selbst sonst recht innovative Publikationen, die ich an dieser Stelle nicht beim Namen nennen möchte, halten das “für kein Thema". Die mangelnde Behandlung in den Medien ist keinesfalls nur der aktuellen Wirtschaftskrise geschuldet. Fakt aber ist: Ein Thema findet heute nur durch eine starke mediale Präsenz eine breite Öffentlichkeit. Manager haben oder nehmen sich nur sehr, sehr selten die Zeit, neue Themen gezielt zu suchen und zu studieren. Um sie zu erreichen, muss die Luft schon sehr mit Gender Marketing geschwängert sein. Nun, ich arbeite weiterhin daran.
Publikationen
Als ich an meinem ersten Buch Der Kunde ist weiblich arbeitete, war die Anzahl der Publikationen zum geschlechtsspezifischen Marketing noch sehr übersichtlich. Auch die Berichterstattung hielt sich in überschaubaren Grenzen. Das hat sich gründlich geändert. Es ist - wie ich schon sagte - nicht gerade der deutsche Sprachraum, der sich hervortut. Doch global betrachtet, ist die Flut an täglichen Veröffentlichungen nicht mehr zu bewältigen. Ein vollständiger Scan der täglichen internationalen Berichterstattungen ist undenkbar geworden. Das System, das ich mir bereits vor Jahren eingerichtet habe, um über Artikel und Bücher zu verschiedenen Mann/Frau-Themen auf dem Laufenden zu bleiben, funktioniert noch immer recht gut, aber meinen Umgang mit seinen Ergebnissen musste ich inzwischen radikal verändern.
Auch wurden in den letzten Jahren viele Bücher geschrieben, einige zum Marketing, viele zu anderen geschlechtsspezifischen Forschungsergebnissen und Metastudien. Alle, von denen ich weiß, stammen aus dem englischsprachigen Raum. Momentan stapeln sich mehr als 20 Bücher auf meinem Schreibtisch, die ich dringend lesen will. Und neue werden in den nächsten Tagen zusätzlich geliefert.
Österreich
Österreich liegt - nach meinem Erleben - deutlich vor Deutschland. In Österreich werden die Bemühungen um die Gleichstellung der Geschlechter im vollen Licht der Öffentlichkeit vorangetrieben. Medien berichten reichlich über Gender-Mainstreaming-Maßnahmen, die Politiker unterschiedlichster Ressorts tragen viel dazu bei. Das alles trägt stark dazu bei, “Geschlecht” als allgegenwärtiges Thema sichtbar zu machen, was dazu führt, dass die Bevölkerung es verinnerlicht und sich ihre Wahrnehmung automatisch verfeinert.
Ausblick
Es bewegt sich einiges. Das Interesse erwacht auch “bei uns". Aber wir haben noch einige Jahre in der Bewusstseinsentwicklung vor uns. Ich bin sehr zuversichtlich, doch ich fürchte auch die großen Qualitätsmängel, die mit der Durchsetzung des Gender Marketing vielerorts einher gehen werden. Ich verspreche, weiterhin mein bestes tun, dem etwas entgegen zu setzen.
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Es sind oft nur Kleinigkeiten, die unnötig irritieren.
Ob einem das Layout und das fantasy-feenartige Bild gefallen, muss jede/r Betrachter/in für sich entscheiden. Unstrittig ist wohl, dass Sheba mit diesem Werbeauftritt darauf aus ist, vor allem Katzenbesitzerinnen anzusprechen. Warum also fällt keinem der Verantwortlichen aus Unternehmen oder Agentur auf, dass die Anrede als Standardeinstellung „Herr“ zeigt? Darüber stolpert garantiert jede Userin, die tatsächlich eine Probepackung anfordern möchte.
Böse Absicht? Natürlich nicht. Nur die übliche Gedankenlosigkeit von Unternehmen und Werbern.
Oder um den großen David Ogilvy zu zitieren: „The consumer isn’t a moron; she is your wife.“
Kaum hat sich der Burda-Verlag in den USA am Frauennetzwerk Glam Inc beteiligt, können wir feststellen, dass es sich um eine allgemeine Entwicklung zu handeln scheint. Überall sprießen neue Presse-Angebote für Frauen aus dem Boden, manche mit bekannten, andere mit neuen Konzepten.
Zu den neuen Konzepten gehört mit Sicherheit Gesucht: Sportsfreundin. Der Schwerpunkt diese Publikation liegt auf der gedruckten Zeitschrift, die kostenlos im Sportfachhandel erhältlich ist. Die Website dient flankierend der Absicht, Frauen die Möglichkeit zu geben, eine Sportpartnerin in ihrer Umgebung zu finden und befindet sich noch im Aufbau. Besonders bemerkenswert sind die neuen Konzepte der Macherinnen, die zweifellos eine neue Generation der Informationsaufbereitung und -präsentation für die sportliche und gebildete Frau von heute einläuten. Die verwendete Sprache ist in der Januar-Februar-2008-Ausgabe ein Genuss. Ich empfehle dringend die Besorgung der aktuellen Ausgabe.
Ein anderes, ebenfalls von einem kleinen Verlag initiiertes Magazin ist mag-pearl.de, das allerdings zu den reinen Online-Magazinen gehört. Ein kurzer Blick genügt, denn es gibt noch nicht viel zu lesen. Die Navigation lässt allerdings auch nicht viel mehr Inhalte zu. Kommt man als Userin nicht auf die Idee, dass man wie in einer Zeitschrift (linear!) blättern soll, dann verschwimmen die wenigen Artikeln ganz fix. Die Inhalte sind konventionell wie für einen Großteil der Frauenzeitschriften üblich und bieten der etwas anspruchsvolleren Leserin kein Futter. Dafür soll künftig auch hier das Web 2.0 und damit die Arbeit von Leserinnen Einzug halten. Warum also bringe ich dieses Magazin überhaupt zur Sprache?
Es ist das erste Mal, dass ich Werbung von Mercedes Benz in einem Frauenmagazin sehe!
Gut, es handelt sich zwar nur um ein Banner auf der Einstiegsseite, aber das ist doch auffällig genug. Natürlich handelt es sich nicht um eines der sportlicheren Modelle, sondern um den Kombi der C-Klasse (Mütter aufgepasst!). Doch werden wir hiermit vielleicht Zeuginnen und Zeugen einer neuen Werbeära? Werden wir bald endlich wieder Fahrerinnen sehen können, statt der ewigen Beifahrerinnen? Ich jedenfalls halte meine Augen offen.
Übrigens brauchen Sie nicht auf den Mercedes-Link zu klicken. Die Microsite, auf die das Werbebanner von Merceds führt, vermeidet wie üblich, sich an Frauen zu richten.
Für die Kreation von solchen “Kunstwerken” haben Mädchen angeblich mehr Geduld als Jungen. Aber sicherlich auch mehr Interesse, und nicht nur daran.
Unter den 12- bis 17-jährigen Internet-Nutzern sind Mädchen inzwischen die deutlich aktiveren, zumindest wenn es um die Kreation von Web-Inhalten geht. Die New York Times widmete dieser Erkenntnis gestern einen Artikel, in dem auch die Studie des Pew Internet & American Life Project zitiert wird. Demnach bloggen 35% der Mädchen in dieser Altersgruppe, aber nur 20% der Jungen. Auch in der Gestaltung einer eigenen Website haben Mädchen, zumindest in den USA, die Nase vorne (32% der Mädchen, 22% der Jungen). Allerdings werden mehr Videos von Jungen veröffentlicht.
Besonders interessant an diesem NYT-Artikel ist aber die Feststellung, wie unterschiedlich die Interessen, aber auch die kommunikativen, wie auch kreativen Bedürfnisse und Fähigkeiten von Mädchen und Jungen sind.
Ich stimme Pat Gills Erklärungsversuch für die Verschiedenartigkeit der Selbstpräsentationen nicht zu. Die Direktorin des Institute for Communications Research und assoziierte Professorin für die Gender and Women’s Studies an der University of Illinois schreibt das unterschiedliche Verhalten einmal mehr der Erziehung zu. So würden Mädchen schon sehr früh lernen, ein Objekt zu sein und würden sich später entsprechend im Internet präsentieren.
Dagegen überzeugt mich das zitierte Ergebnis einer Untersuchung des Berkman Center for Internet & Society an der Harvard Law School, viel mehr. Demnach nutzen Mädchen und junge Frauen das Internet als eine neue Ausdrucksform für die eigene Persönlichkeit. Die eigene Website, so John Palfrey, Geschäftsführer des Berkman Centers, sei zu vergleichen mit der Auswahl der Bekleidung. Aus demselben Grund würden die Mädchen so eifersüchtig darüber wachen, ob von ihren Websites Elemente geklaut werden. So kommt es gelegentlich zu Warnungen wie „hotlink and die“ (hotlink bedeutet die Einbindung fremder Bilder auf die eigene Website).
Übrigens lohnen sich die Aktivitäten der Mädchen bereits in mehrfacher Hinsicht. Einige von Ihnen erhalten Werbegelder von Unternehmen für die Nennung in ihren Podcasts, was genauso funktioniert wie die Werbung in der Anfangszeit des Radios. Im Januar habe ich auf einem Vortrag von Alexander Wunschel gelernt, dass Podcasts von Frauen bzw. mit Frauenstimmen sehr viel öfter gehört werden als Podcasts von Männern. Diesen Umstand machen sich viele zunutze, darunter auch Spiegel Online mit Ehrensenf.
Und für alle, die etwas mehr über die aktuelle Web-Glitter-Mode erfahren wollen, die starten am besten bei Google oder zum Beispiel direkt bei Glitterbank. Wenn Sie allerdings denken, dass dies schon der Gipfel ist, dann habe ich noch etwas für Sie, das alles toppt: Es gibt auch eine albanische Website, die Glitter-Bilder für die Unabhängigkeit des Kosovo zum Download bereitstellt. Leider bringt diese Website meinen Browser zum Absturz, weswegen ich sie an dieser Stelle nicht zu verlinken wage. Auf jeden Fall gibt es mehr zwischen Himmel und Erde…
Andreas Göldi hat eine sehr spannende, weil differenziertere Betrachtung als üblich auf die Geschäftsmodelle von Amazon, Google, eBay, Facebook und einigen anderen geworfen.
Achten Sie mal besonders auf die Argumentation zu Amazon.